Bitteres Ende auf dem Tellenfeld

In einem holprigen Spiel konnten unsere Hafenstädter das frühe 0:1 mühsam in ein 2:1 umbiegen. Spielerisch führten die Hafenstädter natürlich wieder die feinere Klinge, aber es reicht einfach nicht. Trotz des vermeintlichen Siegtreffers in der 92. Minute. Grosser Jubel bei den Porteños, und dann tief in der Nachspielzeit mit der allerletzten Spielszene das 2:2. Bitter. Drei junge Konstanzer FCK-Fans kamen mit dem Fahrrad nach Amriswil und betätigten sich als melodiöser Part beim schöner Singen mit Eintracht Kreuzlingen. Das Tellenfeld zeigt sich mit praktischem Clubhaus, störender Laufbahn und fehlender Tribüne eher lieblos und auf das nötigste beschränkt. Das liegt nicht am FC Amriswil, sondern ist viel mehr typischer Schweizer Standard. Gut schweizerisch werden hier immer Kompromisse geschlossen, was nicht unbedingt sein muss, muss nicht sein. So wurde auch beim FC Amriswil eine beim Neubau des Clubhauses geplante kleine Tribüne eingespart. Manchmal wäre ein bisschen mehr aber auch viel mehr. Der FCA hätte es mit seiner Geschichte verdient.

Anekdote zum FC Amriswil: Über zehnmal erreichten die Amriswiler die Aufstiegsspiele zur 1. Liga. Jedesmal scheiterten die Oberthurgauer. Mit einer Ausnahme. 1965 kamen die Kickers Luzern aufs Tellenfeld. Kurz vor Schluss steht es 2:1 für den FCA. Doch eine legendäre Szene machte dann alles zunichte. Ein Kickers-Spieler flog bei Regen in die dicht besetzten Zuschauerreihen. In einem Abwehrreflex schlug ein Amriswiler Zuschauer mit seinem Regenschirmknirps nach dem Luzerner. Der Schiedsrichter bricht die Partie ab. Es darf nicht wahr sein, ein Mann mit Regenschirm bringt den FCA um den jahrelang ersehnten Aufstieg.  Das Wiederholungsspiel am 5. September 1965 wollten sagenhafte 3’600 Zuschauer sehen, der Mann mit Regenschirm wurde nicht mehr gesichtet und Amriswil gewann mit 2:0.

Schöne Zuschauerkulisse beim Derby, 4. Oktober 2014:

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2 Antworten zu Bitteres Ende auf dem Tellenfeld

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Das „Ritual“, stets mehrere Minuten nachspielen zu lassen, hat sich auch im Thurgau etabliert – ob jeweils zu recht, oder zu unrecht verordnet. Vielleicht möchten Schiris zum Schluss auch einfach lustvoll noch etwas Spannung einbringen (Die Wahrscheinlichkeit, dass für dieses „Ritual“ die Fussballobrigkeit „pfeifensichere Paragrafen“ entwickelt hat, ist allerdings gegeben). In grossen Stadien, wo heute horrende Eintrittspreise verlangt werden, hat man von diesen geschenkten Minuten sogar noch etwas mehr vom Geld. Es kann allerdings für die eigene Mannschaft auch tragisch enden: Nicht selten werden heute Spiele in dieser Restzeitspanne entschieden. Es gibt Mannschaften, die sich erkennbar darauf spezialisiert haben. Solche Endminuten verlangen den Spielern dann noch eine volle Konzentration ab, wenn Muskeln und Kopf bereits deutlich zur Umkleidekabine tendieren. Ich weiss nicht, ob das Vermeiden solcher Punktverluste trainiert werden kann. Vielleicht handelt es sich um eine psychologische Problemstellung. Oder einfach um Fussball!

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