Tag und Nacht im Klein Venedig

Samstag war wieder Meisterschaft im Hafenareal und dazu hatte sich Jan, mein Fanzinetauschpartner aus Hamburg-Altona angekündigt. So ging es gut gelaunt mit meinem 74er-Audi 80 zum Flughafen Kloten, begleitet von Kurt Laueners Züri West. Ich fahre mit Vorliebe Autos die 30, 40 Jahre alt sind. Die einfachen Modelle, Ford Escort, Opel Rekord, und seit ein paar Jahren schon meinen zweiten Audi 80. Unter objektiven Gesichtspunkten spricht (fast) alles dagegen, vor allem sind diese Autos unberechenbar. Je nach Aussentemperatur läuft der Motor mehr oder weniger rund, die Tankanzeige funktioniert nach dem Zufallsprinzip, die Armaturenbeleuchtung ebenfalls, bei Regen überschwemmt es das Handschuhfach, Motoröl wird gefühlt etwa gleichviel benötigt wie Benzin. Mit der Zeit kennt man die Macken. Dafür sitzt man auf einem gemütlichen Sofa hinterm Steuer und Zeit und Raum bekommen eine neue, mitunter abenteuerliche Bedeutung. Man braucht Geduld, manchmal Nerven und bekommt dafür etwas schwer in Worte zu fassendes. Genauso verhält es sich auch oft mit der Sympathie für einen Amateurfussballverein, welcher mit bescheidenen Mitteln agiert und bei genauerem hinsehen doch mehr bietet als die grosse Fussballwelt.

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Nun war also Jan da – und mit Oli aus dem Aargau hatte sich gleich ein weiterer Gast für das Spiel gegen Uster angekündigt. Dessen kleines Büchlein Stadt, Brot und Spiele mich vor Kurzem zu einer euphorischen Rezension veranlasste (mehr dazu hier). Eins vornweg, auch hier wieder zwei äusserst sympathische Zeitgenossen welche uns im Klein Venedig besuchten. Im Klein Venedig befindet sich auf kleinstem Raum alles was ein Amateurfussballfreund für ein gelungenes Wochenende benötigt: Einen passionierten Verein in schöner Umgebung, ein Clubhaus mit Festwirtschaft, ein Hotel (mit Blick auf den Fussballplatz) und die Nähe zum Konstanzer Bahnhof und zur Altstadt nimmt man auch gerne mit und manchmal auch noch gleich ein Eishockeyspiel.

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Das einzige was an dem Wochenende nicht stimmte, war das Spiel. Mehr zur 0:2-Niederlage vor 190 Zuschauern an dieser Stelle. Am nächsten Samstag steht dann das grosse Derby gegen den FC Frauenfeld an. Ein 6-Punkte-Spiel welches vorentscheidend sein könnte. Acht Punkte Rückstand zur Winterpause wären jedenfalls eine etwas unschöne Hypothek für die ambitionierten Hafenstädter.

FCK Uster PortenosFoto von Marcel Simsek

Nach dem Spiel wurden mit den Gästen im Clubhaus reichlich Fussballgeschichten ausgetauscht. So auch die vom mittelständischen Altona-Präsident welcher die Spielplakate durch die Bauwagen-Punks von Hamburg aufhängen lässt, gegen Gratis-Tickets für die Spiele. Dafür fährt er einmal jährlich mit seiner Luxuskarosse auf den Bauwagenplatz der Punks um die gedruckten Plakate abzuliefern. Letztens wunderte sich der Präsi dann wieso nicht in allen Läden Spielplakate hingen, des Rätsels Lösung: die Bauwagen-Punks wurden nicht in jeden Laden reingelassen. Solche Anekdoten liebt man doch beim Fussball. Nicht nur wir waren bestens unterhalten, die FCK-Veteranen stimmten manches Lied an, Fussballatmosphäre im Container am Hafen von Kreuzlingen.

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Das Klein Venedig hatte aber noch mehr zu bieten, auf Jan’s Wunsch gingen wir anschliessend zum überdeckten Eisfeld, dort lief die abendliche Partie EHC Kreuzlingen-Konstanz vs. EHC Lenzerheide-Valbella. Am Eisfeld trafen wir auch wieder unseren Trainer Kristijan Djordjevic, was viele nicht wissen: dieser ist leidenschaftlicher Eishockey-Fan. Etwa 100 Zuschauer, schneller Sport, Imbiss-Wagen, unsere alte vom Eishockeyclub übernommene Tribüne und eine beheizte Eis-Bar. So konnte man den Abend ausklingen lassen. Dazu noch ein schönes Erinnerungsbild von Jan mit unserem Trainer.

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Bis hoffentlich bald wieder, im Hafenareal, an der Adolf-Jäger-Kampfbahn in Altona oder sonst an einem schönen Ort wo Fussball mit Herz zelebriert wird. Danke für deinen Besuch Jan!

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3 Antworten zu Tag und Nacht im Klein Venedig

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Ersatzweise Ich war am Samstagnachmittag genau so undisponiert, wie es von den FCK-Mannen berichtet wird. Für einmal also kein Rivella aus dem charmanten Clubhauspavillonfenster mit angehängtem Abstellbrett, sondern Brusttee mit Honig zuhause. Aber: Auf meinem Apple lief immerhin ein Fussball-Lifeticker! Ich nahm mir ersatzweise wiedermal vor, nach „Bristol“ zu schauen (wo unsere Tochter einige Zeit lebte). Bristol war noch nie ein ganz grosses Fussballmekka. Die Stadt in Südengland ist besser bekannt durch Brunel’s famose Kettenbrücke über den Stadtfluss Avon (Clifton Suspension Bridge von 1864), sowie durch die grosse Zerstörung im 2. Weltkrieg! Doch zurück zu Friedlicherem – dem Fussball: Immerhin spielten sowohl Bristol City, wie auch die ewige Stadtkonkurrenz, die Bristol Rovers, schon mal ganz oben. Doch heute sind die Rovers nach einem weiteren Abstieg in die 5. Liga abgesunken (conference national), derweil die City sich immerhin in der 3. Liga hält (football league one) – und sogar die Tabelle anführt! Das Stadion Asthon Gate (nickname: „The Gate“) ist nicht arg gross (21’497), doch als noch gestanden wurde – das war vor vielen Jahren – , waren immerhin schon mal 43’335 vor Ort. Und das ausgerechnet gegen das bekanntere Preston North End, das heute ebenso in der „On“ (wie auch Sheffield United!) sein neues Glück versuchen muss. Der gegenwärtige Stadionrekord im „The Gate“ liegt übrigens bei 23’000. Allerdings markiert von….. Bon Jovi! Zur Ehre der Rovers wäre noch anzumerken, dass in ihrer tiefen Liga derzeit auch bekannte Namen anzutreffen sind, wie etwa Luton Town oder Grimsby Town. Bristol City („The Robin“ – Die Rotkehlchen) spielte übrigens auswärts gegen Barnsley FC ein gutes 2:2. Mit fünf Punkten Vorsprung bleiben sie Spitzenreiter der Tabelle – vor Preston North End! Anderntags kann man übrigens auf der Club-Homepage die entscheidenden Tore videomässig ansehen. Das fehlt noch auf der perfekt geführten FCK-Homepage. Aber wenn keine Tore geschossen werden, ist das ja für einmal auch nicht schlimm.

    • Der Göttinger Hardy Grüne, einer der umtriebigsten Fussballautoren Deutschlands, ist wenn ich mich recht entsinne Anhänger der Bristol Rovers. Somit hätten wir auch schon den Bogen Göttingen-Bristol gespannt. Das die Rovers nur noch fünftklassig sind wusste ich nicht, passt in dem Fall zu Hardy’s Erstliebe Göttingen 05, welche ebenfalls in der fünften Liga zuhause sind. Hin und wieder werden unsere Partien zwar zwecks Spielanalyse aufgenommen, jedoch fehlt es uns an einem Kameramann. Aus dem 1. Obergeschoss der Bodenseearena hätten wir eine perfekte Plattform für Videoaufnahmen. Aber wie so oft im Amateurfussball, es fehlt am Personal.

  2. Bruno Neidhart schreibt:

    Korrektur: Ehrenhalber zu meiner englischen Abschweifung sei nachvermerkt, dass Luton Town nun 2014 von der „conference national“, der 5. Liga, tatsächlich in die „league two“ aufgestiegen ist, also in die vierte! Dafür verharrt der Lincoln City FC, ein doch auch bekannterer Klub der englischen Szene, in der fünften, der „conference national“. Ich habe mich nochmals auf „soccerway“ schlau gemacht. Ein „Wahnsinns-Portal“ – fussballerisch gesehen!

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