Give us a goal

Derby-Time. FC Frauenfeld vs. FC Kreuzlingen. Adrenalin pur. Erster gegen Dritter. 700 Zuschauer im weiten Rund, manch einer hatte seinen verstaubten Vereinsschal hervorgeholt. Matchday auf der Kleinen Allmend, Schlangen vor dem Bierstand, die Bratwürste wurden lautstark angepriesen. Auf dem Rasen der erwartete Schlagabtausch. Druckphasen wechselten sich auf beiden Seiten ab, Torchancen wurden sträflich ausgelassen, die Spannung blieb 90 Minuten auf höchstem Level. Die Thurgauer Fussballfreunde kamen auf ihre Kosten (Spielberichte). Wie so oft beim ewigen Duell der alten Thurgauer Fussballgrössen. Der FCF zog bereits im Vorfeld alle Register und bot Heerscharen lärmender Kinder auf. Diese sorgten mit Rasseln, Trommeln und Transparenten für eine neunzigminütigen Geräuschkulisse. Volksfeststimmung vor der ehrwürdigen Tribüne. Auch wir hatten zwei Nachwuchsfans dabei, einer fragte uns mit sorgenvoller Miene: „sind wir die einzigen Kreuzlinger?“ Ja, man konnte es fast meinen, wie wir da so standen hinter dem Porteños-Banner, sieben Nasen, drei Schals und Finja in ihrer brandneu gestrickten FCK-Jacke und ihren grün-weissen Turnschuhen. Dabei sah man durchaus viele FCK’ler im weiten Rund. Es war ein schöner Nachmittag, auch wenn es am Ende beim 1:1 nicht ganz zum grossen Erfolg reichte. Eine kleine Spitze in die Murgstadt muss aber noch sein, die Bilanz der letzten 15 Kantonsderbys: 10 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen – aus Sicht des FCK’s.

Finja FCK Frauenfeld FCK SCHWEIZ FUSSBALL 2. LIGA INTERREGIONAL DERBY

Finja im Strickjäckchen / Abendstimmung auf der kleinen Allmend / Packender Kampf um jeden Ball. So schön kann Amateurfussball sein. Das Derby ist längst ein Geheimtipp für Fussballfans der Region.

Give us a goal, das dachten die Kreuzlinger bei den zahlreich ausgelassenen Torchancen.

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4 Antworten zu Give us a goal

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Ich kombiniere mal frei aus dem schönen „Give us a goal“-Bericht: „Torchancen auf höchstem Level“! (Positive Hilfe dazu am Schluss). Das Derby habe ich nicht erlebt. Ich war in einer dringenden Angelegenheit in Genf unterwegs. Trotz Verpflichtungen hatte ich dennoch Raum, die Kickerszene der Rhonestadt wiedermal zu resümieren. Sie läuft gegenüber früher auf einem „bescheidenen Level“: Die Szene (der grössten Klubs) dümpelt derzeit zwischen 2. Liga (Chênois), 2. Liga interregional (Urania – „Üscheäs“ – , spielte in den 50ern als „rechter Half“ in der Zweiten Mannschaft!), dann 1. Liga Promotion (Etoile Carouge), sowie der – sprachlich affektierten – „Tschäläntschliga“ (Servette). Vier hübsche Stadien mit schönen Tribünen stehen bereit: von zweimal 4, über 7, bis 30 Tausend! Daran fehlt es also nicht. Woran dann? Überlass ich den Genfern! Zurück zum FCK: Das 1:1 ist durchaus anzuerkennen! Wichtig: Kein weiterer Abstand zur Spitze. Und was die todsicheren Torchancen betrifft, so habe ich einen todsicheren Tip aus Hans Ulrich Gumbrechts „Unsere breite Gegenwart“, Suhrkamp. Las „das Ding“ während der Bahnrückfahrt. Der Schreiber ist Literaturprofessor (Stanford!). Habe längst nicht alles verstanden! Aber: Da gibt es eine hübsche Passage, die den Bereich „Sport“ tangiert. Und so schreibt er denn über Pablo Morales, früherer olympischer Goldschwimmer, dass dieser deshalb in späten Jahren nochmals zum Wettkampfsport zurück fand, da er nach dem Rücktritt „jenes Gefühl der Versunkenheit in fokussierte Intensität“ vermisste, das lange erfolgreich sein Leben bestimmte. Und so kann ich mir also vorstellen, dass ab sofort jeder FCK-Spieler die gleiche „fokussierte Intensität“ erlebt, sowohl vor dem gegnerischen, als auch vor dem eigenen Tor. Und im Mittelfeld sowieso. So kommt es gut in der zweiten Saisonhälfte! (Kleiner Nachtrag zu „Üscheäs“ – den „Veilchen“: Damals spielte Eugène Parlier aus Montreux in unserer Ersten Mannschaft, die gerade in die Oberste Liga aufgestiegen war. „Gégène“ ist von Beruf Möbelschreiner. Und nebenher brillanter Nationaltorwart! Er hörte während seiner gesamten Fussballkarriere – und auch danach – nie auf, „Möbel zu schreinern“. Heutige Nationalspieler sind eher auf ihren „Gwafför“ fokussiert. Muss auch sein – bin ja nicht so.). Gumbrecht meint übrigens – er schreibt von „Strategie der Wiederverzauberung“, gar von „Epiphanie“ (!) – , dass auch „Zuschauende“ dieses „Gefühl der Versunkenheit“ erleben. Ich achte mal drauf.

    • Für Urania hegte ich schon immer Sympathien, allein schon wegen ihrer aussergewöhnlichen Spielstätte. Mit der Vereinsfarbe violett würden sie auch perfekt zu anderen Kultvereinen passen, etwa Tennis Borussia Berlin oder dem Londoner Kult-Verein Dulwich Hamlet. Aber das sind wohl eher Träume, gereicht es doch nichtmal Servette zu respektablen Zuschauerzahlen, zumindest gemessen an der Grösse der Stadt. Die fokussierte Intensität, dieses rundherum-vergessen, kann man als Fussballzuschauer wunderbar erleben. Eugène Parlier werde ich in meinem Swiss Player Record Book nachschlagen, man könnte ihn auch googeln, aber ist es nicht viel schöner in einem Buch nachzusehn?

  2. Bruno Neidhart schreibt:

    Ein Buch ist stets schöner als „guugeln“. Das stimmt. Aber wer kommt an „Google“ vorbei? (Frage stimmt vielleicht auch…!).

  3. Gemäss Wikipedia wechselte Eugène Parlier 1949 zu Servette mit denen er als Stammtorhüter 1950 angeblich Meister wurde. In meinem Buch kommt er dort aber erst in der Saison 51/52 zu Einsätzen (19). Meines Wissens spielte der Kreuzlinger Anton Bacher von 43 bis 46 bei Servette. Bei Urania spielte Parlier übrigens auch zweimal als Feldspieler.

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