Wie ich zum FC Kreuzlingen fand

Ende der 80er-Jahre, also im Alter von um die zehn Lenzen, spielte ich bei den D-Junioren des FC Kreuzlingen. D-Standard, also bei den eher untalentierten. Unser Torwart war berüchtigter Panini-Bilder-Klauer und unser Trainer dem Alkohol nicht abgeneigt. Es kam schon vor, dass es eine Ohrfeige setzte für Probleme in der Abwehr, wenn auch eher selten. Auf unseren grünen Trikots stand „Steiner Sport“ vorne drauf. Türkische Väter fuhren uns zu den Auswärtspartien und schwadronierten im Opel Kadett, während wir aus dem Fenster schauten, vom nächsten Sieg. Meistens verloren wir hoch, sehr hoch. Gegen die kräftigen Bauerskinder aus Weinfelden verloren wir mit 13:0, was uns nicht weiter störte, denn immerhin kamen wir lebendig aus der Affäre. Gegen den damaligen Stadtrivalen Rot-Weiss Emmishofen verkauften wir uns aber teuer.

Meine Karriere dauerte nicht lange, vielleicht zwei Jahre. Doch viel wichtiger, ich besuchte in der Sommerpause 1988 die ersten Spiele unserer 1. Mannschaft.  Bereits zum zweiten Testspiel kündigte sich das grosse Slovan Bratislava im Hafenareal an. Ich erwartete bei diesem Gegner tausende Zuschauer und fuhr erwartungsfroh mit meinem Kreuzlinger Tour-de-Suisse-Velo ins Hafenareal.  Auch wenn nur wenige hundert Zuschauer kamen, um mich war es geschehen. Meine Oma nähte mir eine kleine FCK-Fahne. Im Stockacher Jährling gab es nur einen mint-grünen Stoff und so ging ich als zehnjähriger Bengel mit mintgrün-weisser Fahne an die Spiele. Auswärts auch per Velo. Nach Berg, Romanshorn und natürlich zum grossen Derby gegen den FC Tägerwilen. 1’200 Zuschauer kamen damals ins Tägermoos, gefühlt 1’150 für den Dorf-Verein.

Zuschauer Hafenareal

In den darauffolgenden Jahren wurde mir die Welt zu eng und ich bereiste mit Borussia Dortmund, dessen Spiele ich seit 1989 mit meinem Opa am Radio verfolgte, intensiv die Bundesliga. Ich gründete den BVB-Fanclub Thurgau, welcher noch heute existiert, aber mittlerweile mehr Mitglieder in Wuppertal als im Thurgau hat, und war fünf Uhr morgens Stammgast am Konstanzer Bahnhof. Gutgesinnte Schaffner nahmen mich ohne Fahrkarte bis nach Karlsruhe mit. Zurück fuhren wir meist mit dem Wochenendticket, 13 Stunden ein Weg, so liess sich die Reiserei finanzieren als Teenager. Es war eine wilde Zeit im Block 13 auf der Südtribüne. Die grosse Fussballwelt. Wenn auch nicht alles gut verlief. So verlor ich meinen damals besten Freund (Bildmitte) nach einem Fussballspiel in Homburg auf tödliche Weise. Dieser Artikel sei Dir gewidmet Denis.

bvb

Der Erfolg und eine ungeheure Kommerzwelle überrollte den BVB Ende der neunziger Jahre, ich besann mich wieder vermehrt auf meinen alten Heimatverein. In der Punk- und Skinhead-Szene in der ich mich zu dieser Zeit bewegte, fand ich mit Mäny „The Highlander“ im Winter 1999 schnell einen Mitstreiter, welcher ebenfalls schon länger von einem FC Kreuzlingen – Fanclub träumte. Es war genau das was wir wollten, eine lokale DIY-Geschichte zu der wir einen Bezug hatten und so nahmen die Dinge in Kreuzlingen ihren Lauf.

whisk

Diese und viele weitere Geschichten sind im März erscheinenden Grenzstadtkurier nachzulesen.

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Eine Antwort zu Wie ich zum FC Kreuzlingen fand

  1. Knapp daneben schreibt:

    Vielen Dank. Ein schönes Stück Schweizer Fangeschichte gut erzählt.

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