Gedanken zum ambitionierten Amateurfussball

Der leistungsorientierte Amateurfussball boomt und ihm steht eine rosige Zukunft bevor. Eine gewagte Behauptung, angesichts langsam aber stetig sinkender Zuschauerzahlen und der schier endlosen Konkurrenz anderer Freizeitangebote. Heute befinden wir uns in einer Zeit der Quasi-Abkapselung des Profi-Betriebes von den restlichen 99% der Fussballvereine. Vor zehn Jahren war die Challenge League noch ein Thema für einen Verein in der Grösse des FC Kreuzlingen, heute ist das aufgrund der Auflagen und des aufzubringenden Budgets ein Ding der Unmöglichkeit. Ich zitiere einen Vertreter des FC Nordstern Basel: „Nur um an die Spitze des Amateurfussballs zu gelangen, braucht es heute finanzielle Aufwendungen, die in den 80er-Jahren dem FC Nordstern noch gut für die Nationalliga A gereicht haben“ (Interview Grenzstadtkurier Nr. 9). Konsequenz des FC Nordstern: man zog sich von der 2. Liga Interregional zurück in die 3. Liga. Nicht immer muss dieser Weg nötig sein, doch zu denken gibt es schon. Warum könnte die Zukunft trotzdem rosig aussehen? Der Amateurfussball braucht sich als Zuschauer Sport nicht verstecken. Es gibt genügend Argumente, mit denen der ambitionierte Amateurfussball dem Erlebnis Profi-Fussball ein Schnippchen schlagen kann. Mit seiner Nähe zum Spiel und den Protagonisten, seinen kurzen und stressfreien Wegen, weil man das Gras noch riechen und die lokale Bratwurst noch schmecken kann. Weil es familienfreundlicher ist, oft angenehmer als in grossen Stadien, weil man Freunde und Bekannte trifft, weil auch hier die Spiele zu reden geben und manches einen unübersehbaren Charme versprüht, gerade in seiner Unvollkommenheit. Es würde sich noch vieles finden lassen.

Am Samstag spielte der FC Linth 04 in Kreuzlingen, es war kein schönes Spiel. Doch unterhaltsam war es allemal, am Ende gewann der FCK mit 3:1 (Spielberichte). In der Pause wurde ein Sponsor vorgestellt, es gab wie immer einen Wettbewerb für die Zuschauer und nach dem Spiel trafen sich über 50 Fussballfreunde im Clubhaus zum Trainertalk. Es war schön zu sehen, wie Juniorentrainer, Veteranen, Fans, Sponsoren und auswärtige Fussballfreunde zusammensassen und in gemütlichen Runden über das Spiel diskutierten. Sicher ist auch beim FC Kreuzlingen noch manches in den Kinderschuhen was die Ausgestaltung der Spieltage betrifft, manches muss ausprobiert und wieder geändert werden. Aber das Engagement vieler Beteiligter ist unverkennbar. Der FC Kreuzlingen lebt. Auch andere Vereine leisten tolle Arbeit und befeuern so die Leidenschaft „Amateurfussball“ gegenseitig. Der Amateurfussball boomt, nicht für alle, aber für kreative Vereine mit Leidenschaft auf Dauer schon. Wir werden sehen, wer in zehn Jahren zu den boomenden Vereinen im Amateurfussball gehören wird, auch das ist das spannende am Fussball.

SCHWEIZ FUSSBALL 2. LIGA INTERREGIONALBilderrätsel: Wer kennt die Kreuzlinger Muppet-Show? / Foto M. Gaccioli

Tipp des Tages: Frank Willmanns Kassiber aus der Gummizelle – Geschichten vom Fussball lesen oder gleich zuhören: 4.5. Bern, Halbzeit / 6.5. Winterthur, Libero-Bar / 7.5. St. Gallen, Fanraum / 8.5. Basel, didi:offensiv-Bar

Passend zum Thema:Lokalrunde-2015

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3 Antworten zu Gedanken zum ambitionierten Amateurfussball

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Zur Show
    Wenn es bei der Muppet-Show gerade mal beim Präsidenten etwas Grün-Weiss blinzelt, so gibt dies einen zarten Hinweis auf die „relative Begeisterungsfähigkeit“ für das Ereignis, das sich vor gut gezählten 200 in einer Stadt mit 21’000 abspielt. Das hat mit „“nur Amateursport“ wenig zu tun, ist doch dieses „Ereignis an sich“ im Prinzip nicht minder interessant oder spannend, als etwa Aarau gegen Vaduz. Im Gegenteil. Aber: Es soll auch ein Ziel vorgelegt sein, zum Beispiel das Erreichen der obersten Amateurklasse, wenn auch nur die „klassische Variante“. Da sind die Richtlinien des Verbandes noch erträglich, die allgemeinen „Unkosten“ allerdings auch schon ordentlich angehoben. Ein solches „Ziel“ brauchen Zuschauende eben auch. Sie messen daran die Leistung der Spieler, des Trainers, des Clubs (vielleicht sogar die der Bratwurst!). Wird kein Ziel vorgegeben, erlahmt das Interesse zusätzlich. Man kann sich dann wirklich so verhalten, wie Nordstern. Das „Abtauchen“ von Clubs – aus differenzierten Gründen! – ist nicht ja ungewöhnlich (Yverdon, Fribourg, Martigny usw.). Nun: Der FCK, die Clubleitung, hat durchaus proklamiert, dereinst in höheren Gefilden „kicken“ zu wollen. Dieses Projekt sollte stets transparent sein, immer kommuniziert werden, auch wenn der Weg manchmal holprig ist, wie der Rasen. „No öppis“ – hiess es bei einem Onkel, nachdem das Gespräch eigentlich schon abgeschlossen war: Damit deute ich auf die nicht gelöste „Stadionfrage“ hin. Hier ist besonders die Stadt gefordert: 1. Weitere provisorische Verbesserungen auf Klein Venedig (Überdachung?). 2. Wieweit sind die Planungen für einen anderen Stadtort gediehen? Dazu wären noch etliche weitere Fragen zu stellen. Eine ordentliche Platz-Infrastruktur gehört nun mal zu einer erklärten Sportstadt. Oder ist das „chrottefalsch“ gedacht?

  2. Die Club- und Sportleitung hat als Ziel ganz klar die 1. Liga, allerdings sehe ich persönlich auf dem Platz noch kein Aufsteigerteam, noch nicht. Ich bin ganz ihrer Meinung, Zuschauer und Fans brauchen ein Ziel. Ein Dach wurde auch am letzten Samstag wieder vermisst, der FCK bleibt am Ball, es sind allerdings noch einige Dribblings nötig. Das Geheimnis der Muppet-Show ist noch nicht gelüftet…

  3. Bruno Neidhart schreibt:

    Muppet: Man muss auch mal, trotz der Malaise, die unbekannten Tapferen erwähnen, die treu jeden zweiten Samstag das FCK-Heimspiel „bevölkern“. Noch etwas Talk über das Einwechseln in den letzten Minuten eines Spiels: Obwohl jeder Trainer seine eigene Taktik einbringt, finden sich diese dann wieder taktisch vereint, wenn es in der letzten Phase eines Spiels aufgrund von „zwei bestimmten Spielfällen“ zu reagieren gilt. Fall eins: „Einem Rückstand nachrennen“. Fall zwei: „Ein positives Spielresultat absichern“. In beiden Fällen wird gewechselt (sofern noch ein Kontingent zur Verfügung steht). Im ersten Fall, um dem Spiel mit neuer Frische noch eine Wende geben zu können (z.B. per Kopf nach Ecke). Ein solcher Wechsel findet dann im Sprint statt. Im zweiten Fall, um das bis dahin erfolgreiche Resultat zeitraffend zu konservieren. Ein solcher Wechsel wir dann entsprechend verzögert durchgeführt, möglichst unter Andeutung eines Beinkrampfes (viel Schmerz). Ich nehme fast an, dass dies an Fussballakademien gelehrt wird. Ist wohl ein gutes Stück Taktik. Nachspiel: Die Sittenwidrigkeit von „Fallobstübungen im gegnerischen 16er“ bleibt dagegen wohl jedem einzelnen Spieler überlassen und ist nicht Gegenstand der Trainerausbildung – nehme ich mal an. Und ein „taktisches Foul“ (umhauen)? Da schweigen die Fussballgötter….

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