Rheintal till i die – man trägt schwer an den 80ern

Ich habe nachgerechnet: In den letzten Jahren fuhr ich mit dem FCK 15 mal ins Rheintal. Wenn man Chur und die Liechtensteiner Vereine dazuzählt, wären es noch einige Male mehr gewesen, aber es reicht auch so. Die St. Galler Rheintal-Vereine mussten in den letzten Jahren Federn lassen. Diepoldsau, Altstätten, St. Margrethen, die Autobahn-Ausfahrten mit Vereinen aus der 2. Liga Interregio lichten sich. Widnau blieb übrig und galt bereits vor der Saison als einer der meistgenannten Aufstiegsfavoriten. Eine brisante Partie, mit einer Niederlage würde man den Anschluss an die Spitze verlieren und der Sieger würde einem gleich noch direkt mit Punktgleichheit auf die Pelle rücken. Ausserdem überraschte der FC Widnau am vergangenen Wochenende mit seinem 5:3-Sieg über Kosova die Fussballfachwelt der Ostschweiz doch recht ordentlich. Es war unübersehbar, der FC Widnau ist zurück und ein nicht allzu sicher wirkender FCK musste ausgerechnet jetzt auf den Aegeten, wo man dort doch sowieso selten eine gute Figur abgab. Gut, dann solls das halt mit den Aufstiegsträumen gewesen sein, schenkt uns reinen Wein ein, öffnet unsere von Aufstiegsträumen geblendete Augen, so die Stimmung im Vorfeld.

Es waren dann ein paar leichte Fehler zuviel, ein paar mal zu langsam nachgedacht, ein paar Minuten zuviel Sommerfussball an diesem strahlenden Sonntag. Zwischendurch gab es auch ein Aufbäumen, am Ende eine kleine Druckperiode, aber viel zu wenig um die sicher wirkenden Widnauer in Bedrängnis zu bringen. Am Ende eine 2:1-Niederlage vor, je nach Angabe, 370 oder 405 Zuschauern (Spielberichte).

Die Zuschauerzahl wurde von den drei Herren hinter dem Porteños-Banner ziemlich exakt vorhergesagt. Kein Wunder, bei einigen tausend Spielen Zuschauer-Erfahrung im Amateurfussball. So fanden sich neben meiner Wenigkeit plus Familie noch weitere Freunde des kleinen Fussballs auf dem Aegeten ein. Beni aus Luzern (Groundhopper und Lokalrunde-Aktivist) und Claudio aus Zürich (AC Bellinzona-Fan, Stadionpostkarten-Sammler und gefürchteter Tausendsassa auf allen Fussballplätzen zwischen Genfer- und Bodensee). Ausgestattet mit Bauchläden (polnische Fanzines, „man versteht halt recht wenig“) und reichlich Anekdoten auch über die kleinsten Vereine und Fangruppen. Die Unterhaltungen drehten sich dementsprechend um so illustre Themen wie Hopper-Romantik „die Widnauer Festwirtschaftsüberdachung hat Ansätze von englischen Tribünendächern des letzten Jahrunderts“ bis hin zu Auswirkungen traumatischer Erfahrungen des 80er-Jahre-Fussballs. So bekam der 44-jährige Claudio ohne Vorwarnung schwere Zuckungen und erklärte diese mit Hooligans die ihm in den 80er-Jahren schwer im Nacken gesessen wären, „das kommt manchmal wieder hoch“. Worauf wir uns mit Kinderwagen etwas verwundert in Widnau umblickten.

Besser machten es unsere Junioren an diesem Wochenende: C-Junioren: FC Kreuzlingen – FC Münchwilen 3:2, D1-Junioren: FC Kreuzlingen – AS Calcio Kreuzlingen 6:4, D2-Junioren: FC Kreuzlingen – AS Calcio Kreuzlingen 2:0, die B-Junioren verschweigen das Resultat noch

WidnauDrei Fussballromantiker in Widnau. Rechts Claudio, die 80er-Jahre noch schwer im Nacken. Wir sind die Guten.

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3 Antworten zu Rheintal till i die – man trägt schwer an den 80ern

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Nach der Rheintalpleite – auch aus früheren Jahrzehnten nicht unbekannt, wo man „unbändiger, rheintaler Kampfgeist“ oft mit „Hacker“ bedachte – kann wohl definitiv für die nächste Saison geplant werden. Das ist unschön, aber auch schön im Sinne einer offenen Reflexion über die langsam verrauschende Saison. Es werden sich viele Fragen stellen, normale und abnormale. Eine ist grundsätzlich schon kurz vor Torschluss zu beantworten: die Elf spielt nicht so konstant, wie vorgesehen. Und so geht denn die Frage automatisch zur nächsten über: was ist konstant für 2015/16 vorgesehen? Wobei dies sowohl die Mannschafts-, wie die Arenaqualität betrifft. Und auch die der fehlenden – städtischen – Zuschauenden (weniger die der Bratwurstqualität!). Bestehen da womöglich Zusammenhänge? Fragen über Fragen. Zum Trost spielt „Bristol City“ (eine Kurzbekanntschaft durch familiäre Beziehungen) als bereits – zwei Runden vor Schluss – erkorener Meister der „Football League One“ (3. Englische Liga, 24 Mannschaften!), kommende Saison in der „Football League Championship“, also der zweithöchsten. Eine zarte Aufforderung an den FCK1905? Die klassische 1. Liga würde auch schon mal ausreichen und womöglich die Fanszene herrlich anreichern. Ein Doppelschlag auf Klein Venedig? Mit Sicherheit nicht auf dem „Döbeli“ oder „Töbeli“ oder „Döbele“! Und somit kommt flugs noch eine weiteren Frage ins Spiel – allerdings eine eher – oder auch – stadtbezogene. Ist Fussball doch kompliziert.

  2. Bruno Neidhart schreibt:

    Die CDU-Konstanz trifft sich samstags 16 Uhr beim Calcio-Sportheim auf dem Döbel-i(-e), lesen ich soeben. Vermutlich kommen auch Minigärtner und andere mögliche Grundstücksinvolvierte. Die Stadt Kreuzlingen hat sich abgemeldet. Um 16 Uhr sind alle besetzt, die dort planerisch involviert sind, sagt der Stapi. Der ebenso involvierte FCK 1905 spielt um diese Zeit herum gegen den FC Wil U20. Also auch besetzt. Somit zeichnet sich nur ein unbestimmtes Plaudern darüber ab, was da eigentlich mal entstehen soll, sollte da mal was entstehen (mit etwas Glück fahren die Minigärtner dann noch einen Grill auf!). Das wärs dann wohl gewesen. Immerhin stand man schon mal dort, wo sich in ferner Zukunft Massen von Amateur-Fussballbegeisterten hin bewegen sollen. Betrifft Begeisterung: Der FC Singen 04 (Verbandsliga Südbaden) baut derzeit sein Hohentwilstadion von 12’000 auf 3’500 zurück, schmeisst die 400 m Bahn raus und macht mit einer Gegentribüne (zusätzlich 350 sitz, 700 steh) ein veritables Fussballstadiönchen daraus. Darin sind auch andere Veranstaltungen zu veranstalten. Kann da vielleicht „Chrüzlinge mol öppis abluege“? Zusatz: Habe noch im „Alten Hohentwil“ mit der damaligen Fabrik-Sportclubs-Elf der R.V. Neher AG gegen das damalige „Singemer“ Fussballidol Strittmatter gekickt, der mit der Mannschaft der Alu Singen auflief und mich in der Folge öfters überlief.

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