Der seltsame Sieg

Als Tabellenführer reisten unsere Spieler am Samstag nach Uster, feierten mit dem Anhang einen 4:2-Sieg und kehrten doch als geschlagene Mannschaft nach Hause. Möglich machte es eine verhängnisvolle Fairplay-Wertung. Wenn es um Auf- oder Abstiege ging, lief beim FC Kreuzlingen in den vergangenen 20 Jahren schon immer sehr vieles auf denkwürdige Weise. In vergangenen Zeiten waren es oft mehr oder weniger selbstverschuldete Skandale, danach war man leidtragender eines Konkurses auf Zeitspiel und dieses Jahr könnte die FCK-Historie um ein weiteres kurioses Kapitel bereichert werden. Ausgerechnet Fairplay spielt dabei eine Rolle. Hintergrund ist die Regel, dass in der 2. Liga Interregional Strafpunkte für Gelbe und Rote Karten vor der Tordifferenz zählen. So etwas ist in der Geschichte des deutschsprachigen Fussballs sonst nur aus konfessionellen Ligen der 20er-Jahre bekannt (Danke nach Schwäbisch Gmünd für den Hinweis).

Da Verfolger Kosova Punkt- als auch Strafpunktgleich in die Runde ging und sein Spiel ohne Karten zu Ende brachte, Kreuzlingen aber eine Gelbe Karte kassierte, war es um die Tabellenführung geschehen. Da nützt auch die beste Abwehr, der beste Sturm und damit das um Längen beste Torverhältnis nichts mehr. In der offiziellen Tabelle des Verbandes ist das übrigens bis heute, Stand Montag 10.00 Uhr, noch nicht berücksichtigt, wird aber in den nächsten Tagen folgen.

So feierten die mitgereisten Anhänger nach dem Spiel ausgelassen mit der Mannschaft, jubelten über das 2:2 der weiteren Verfolger Frauenfeld und Freienbach, um dann kurz darauf von der verlorenen Tabellenführung zu erfahren. Die Lage vor dem letzten Spieltag: Kreuzlingen spielt im Kantonsderby gegen den FC Frauenfeld, benötigt sehr wahrscheinlich einen Sieg und eine Gelbe Karte weniger als der FC Kosova, dieser trifft in der letzten Runde auswärts auf den bereits abgestiegenen FC Amriswil. Trotzdem, ein grosses Fussballfest wird es in Kreuzlingen werden, mit einer reellen Aufstiegschance gegen den Kantonsrivalen ist in der Hafenstadt für eine tolle Zuschauerkulisse gesorgt. Der Fairness-Regel, welche die Fussballfreunde der 2. Liga Interregional verteidigen oder verdammen,  zum Trotz:

Samstag, 6. Juni um 18.00 Uhr in der FCK-Arena im Hafenareal:                       FC Kreuzlingen vs. FC Frauenfeld

uster seltsamer sieg Spärliche Kulisse: 100 Zuschauer, davon die Hälfte aus Kreuzlingen, erlebten einen Sieg mit Beigeschmack.

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3 Antworten zu Der seltsame Sieg

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Diese wohl als „fussballerische Erziehungsmassnahme“ eingeführte Klausel (hat nichts mit dem Obergomser „Sepp“ zu tun!) ist mehr „Verbandsfolklore“ wenn man wöchentlich ortet, dass „Gelb“ und „Rot“ auch mal je nach Schiri verteilt werden. Es ist wie bei der „ganz oben“ einzuführenden oder bereits eingeführten, „unbestechlichen Tortechnik“ die verschweigt – verschweigen muss, dass etwa ein „ungerechter Strafstoss“ kurz vorm 16-er, der zu einem auch ohne „Tortechnik“ zu registrierendem „Eingenetzt“ (neudeutsch!) führt, lautlos – eher laut durch protestierendes Publikum! – als simpler „Tatsachenentscheid“ (mit zirka 9-er Schaumlinie in Weiss) abgehandelt wird. Grünes Absurdistan? Eine „Tatsache“ ist, interpretiere ich mal frei, im Fussball objektiv oft „keine“. So eben auch bei „Kartenverteilaktionen“. Aber Ordnung muss sein – himmelnochmal: Tatsache ist hier einfach Tatsache. Basta! Doch (kann es nicht lassen): Würden die vielen „Ellenbögler- und Kopfnussakrobaten“ der Spitzenklasse in die Meisterschaftrechnung einbezogen, sähe selbst die „Europäische Tschämpionsliga“ anders aus. Nun verzettle ich mich aber! Grundsätzlich lohnt es sich also rein sicherheitshalber, über „mehr Punkte als alle Gegner zu realisieren“, um den angestrebten Aufstieg aktenkundig zu machen (wie z.B. United Zürich!). In der FCK-Gruppe 6 könnten sich da über diesbezügliche Punkteversäumnisse während der Spielzeit drei, vier Mannschaften die Haare raufen. Aber das Schöne: Die Chancen auf Klein Venedig sind nach wie vor voll intakt. Sicheres Geheimrezept ohne anschliessendes Kartenzusammenzählen: Den Hauptstädtler Andi Qerfozi tüchtig bewachen – und somit gewinnen! Und Amriswil ist zwar Absteiger, kann gegen Kosova jedoch mindesten auch unentschieden spielen, weil der FCA – im bewährten Fussballjargon festgestellt – „nichts mehr zu verlieren hat“. Die beiden FCK-Fanclubs würden bei diesem Erfolgsrezept mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen „Dankeschönfussmarsch mit Fahnen, Kind und Kegel“ in den Oberthurgau organisieren. Zwischenhalt unter schattigen Kastanien in einem bodenständigen Thurgauer Landbiergarten (sollte es so was noch geben)!
    Kurz noch in eigener Sache: „Mein“ FC Urania Genf (üscheäs) verlor, wie auch der südwestliche Vorstadtclub „Signal FC Bernex-Confignon“ (gegen den wir öfter spielten – lang, lang ist’s her!), das zweitletzte Spiel. Beide gegen ehemalige „Respektable“ (Vevey, Montreux). In der letzten Runde treffen die Genfer aufeinander, hat jeder die Chance, sich wenigstens in die 1. Classique zu katapultieren. Im enorm reichen Genf läuft fussballmässig derzeit beileibe nicht viel. Servette serbelt saumässig. Da drehen sich viele ehemalige Nationalspieler der „Grenads“ erneut im Grabe um, oder rotieren gar. Eine begüterte Ortschaft bedeutet im Fussball allerdings nicht allzu viel. Sonst müsste St. Moritz oder Gstaad längstens in der „Super“ spielen. Spielen die überhaupt Fussball? Oder sind da alle Wiesen zu schräg oder zu steinig?

  2. Immerhin kann sich der Seagulls Roar! – Blog eines wunderbaren Kommentareschreibers rühmen…

    • Daniel Geisselhardt schreibt:

      …und mindestens eines interessierten Lesers, der wöchentlich ungeduldig auf die beiden Blog-Einträge wartet:-)

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