Der verpasste Aufstieg ist kein Beinbruch

Ist man Enttäuscht wenn man wegen zwei Gelben Karten nicht aufsteigt? Als Fussballinteressierter wäre man wegen der Spielqualität gerne eine Liga höher geklettert. Guten Fussball gibt es in der 2. Liga Interregional nur in den Spitzenspielen zu sehen, wenn der Gegner mitspielt. Das hat man diese Saison deutlich gesehen, die Partien gegen Kosova, Widnau, Freienbach und Frauenfeld waren als Fussballfreund tatsächlich am schönsten anzusehen. In der 1. Liga gibts dann praktisch keine Mannschaft mehr ohne ein paar auffallend gute Fussballer. Als Fan wäre die 1. Liga ebenfalls attraktiv gewesen. Mit Locarno, Gossau, Baden und Mendrisio gibt es dort immerhin eine Handvoll Vereine mit Fangruppen. Unterschiedlich in Grösse und Sympathie, aber alle bereits seit mehr als 10, 15 Jahren aktiv.

Als Verein ist der Nicht-Aufstieg kein Beinbruch, die Zuschauerzahlen wären bei einem Aufstieg kaum höher gewesen, die Marketing-Aktivitäten kaum einfacher, die Auswärtsfahrten und Verbandsspesen aber deutlich kostenintensiver. Trotzdem hätte der Verein diese Herausforderung gerne angenommen und wird weiter daran arbeiten um sich in der 1. Liga zu etablieren. Das der diesjährige Aufstieg aufgrund einer Fairplay-Regelung verhindert wurde, darf keine Ausrede sein. Die Spielregeln waren bekannt. Der Mannschaft kann man ebenfalls nichts vorwerfen, sie hat nicht nur erfolgreichen und schönen, sondern auch fairen Fussball geboten. Ich möchte nicht weiter darauf eingehen, es gibt bereits genügend Stimmen zum letzten Spiel und der Karten-Regel (Berichte). Man braucht dem verpassten Aufstieg aber nicht nachzutrauern und kann sich bereits auf ein weiteres tolles Kreuzlinger Fussballjahr in der kommenden Saison freuen, dafür spricht vieles im Verein.

FC Kreuzlingen (Gruenweiss) gegen FC Amriswil auf der Sportanlage Hafenfeld Kreuzlingen am Samstag 6. Juni 2015 (FOTO GACCIOLI KREUZLINGEN)

FC Kreuzlingen gegen FC Frauenfeld in der FCK-Arena Kreuzlingen am 6. Juni 2015 (FOTO GACCIOLI KREUZLINGEN)

In der neuen Spielzeit wird es zwar zwei Thurgauer Vertreter weniger geben (Amriswil und Arbon), dafür werden die Aufsteiger allesamt aus der näheren Ostschweiz sein. Aus der Gruppe 1 der FC St. Margrethen und aus der Gruppe 2 der FC Uzwil oder der FC Bazenheid. Am 25. Juni werden die Gruppeneinteilungen vorgenommen, in welche Gruppe dann der Zürcher Aufsteiger FC Rüti und die geographischen „Wackelkandidaten“ eingeteilt werden, wird sich zeigen. Aus der 1. Liga dürfte kein Absteiger kommen, da die Tabellenletzten aus der Gruppe 3 geographisch kaum in Frage stehen: Team Ticino U21 und AC Taverne. Ein Fussballleckerbissen werden wieder die beiden Derbys gegen Frauenfeld. Ein Duell auf Augenhöhe und eine sportliche Rivalität die beiden zugute kommt.

Noch ein paar Worte zum Geschehen am Spielfeldrand. Es war schön anzusehen, wie die FCK-Arena zum Spitzenspiel hergerichtet wurde, mit Festzelt und allem was dazugehört. Die Zuschauerzahlen der letzten Spiele (500 bei Gratis-Eintritt gegen Amriswil, 320 gegen Freienbach und 520 gegen Frauenfeld) sind Ansporn für weitere Anstrengungen auf und neben dem Fussballplatz. Die stimmungsvolle Abschlussparty endete erst in der späten Nacht und wer konnte blieb möglichst lange, so wie es sein sollte.

FCK Arena

Das ein Thurgauer Derby auch Fussballfreunde von weiter her anzieht, möchte ich an dieser Stelle erwähnen. Mir bekannt waren zumindest Pascal Claude (Buchautor, knappdaneben.net), Andreas Mösli (Geschäftsführer FC Winterthur), Gregory Germond (Sportantiquariat Germond), Sascha (Zürich), Beat Haueter (FCSG-Data), Philipp (Zwickau/Regensdorf, Blickfang Ultra) und Halil (Groundhopper aus Ulm, Blickfang Ultra). Es war ein schöner Abend und eine feuchtfröhliche Heimfahrt mit dem Zug, schön das ihr über die Dörfer tuckerten für dieses Spiel! Ach ja, nicht zu vergessen die drei Altdorfer (!) Fussballfreunde die den Weg ins Hafenareal schafften!

Ein grosser Dank an die 1. Mannschaft und das Trainerteam für diese Saison! Forza FCK!

FCK Arena 2

Foto: Mario Gaccioli, Kreuzlingen

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5 Antworten zu Der verpasste Aufstieg ist kein Beinbruch

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Neben der „Schützenwiese“ in Winterthur haben wir nun noch einen „Schützengarten“: In Kreuzlingen! – am Hafen. Was für eine Aussicht auf die kommende Saison (hoffentlich nicht nur am Spielfeldrand). Nun: Der FCK steigt eben nicht auf, weil der Verband bekanntlich in diesem Fall statutengemäss „Howgh!“ sagt. Klingt und ist indianisch und will uns sagen: „Ich habe gesprochen!“. Oder fussballdeutsch: „Ich habe fertig!“. Übrigens kann die Frage, ob eine Mannschaft durch „kräftiges Hinlangen“ bei entsprechendem „Kartensammeln“ eher in den Aufstiegsmodus kommt, oder das „Sanfte, Raffinierte, Gepflegte“ mit weniger Karten zum Erfolg führt, abschliessend nicht beantwortet werden, analysiert man für einmal die betreffenden Zahlen der 6 interregionalen CH-Zweitligagruppen (oh je – ein ziemliches Geschäft!). Feststellbar ist da konkret, dass sowohl mit vielen, wie auch mit wenigen „Karten“ aufgestiegen wird. Insofern sind „Karten an sich“ also zum Trost kein sportlich relevanter Maßstab. Auch nicht beim Absteigen. Das tröstet dann weniger. Karten haben, wie zum Beispiel auch die Tarot- (Karten-) Figurationen der arenanahen Kunstgrenze (Kunstmacher: Dörflinger) also eine eher nur symbolhafte Bedeutung. Immerhin! Was ich dennoch eruierte, und als „Tatbestand“ sich durchaus ziemlich beweisen lässt, ist: Über den Daumen gepeilt (statistisch wunderbar ausgedrückt!) wäre festzuhalten – und gilt tatsächlich für alle Ligen mit je einem Hin- und Rückspiel – , dass im Schnitt bei jedem Spiel mindestens zwei Punkte zu ergattern sind, um eine realistische Chance zu haben, aufzusteigen oder Meister zu werden. Und umgekehrt „im Keller“ mindestens bei jedem Spiel im Schnitt einen Punkt schreiben, um nicht abzusteigen. Bei 14 Ligamannschaften ergäbe sich also nach 26 Spielen (2×13) „vorne“ einen Faktor 52, und „im Keller“ die Hälfte, halt nur schlappe 26. Diese Fussballarithmetik (sie wird noch viel dramatischer auch von „Grosstrainern“ beäugt!) ist erstaunlich treffsicher. Als statistischer Ausreisser zeigt sich nun aber, um in einer „fiktiven Wirklichkeit“ zu landen, dass Kosova mit 50 Punkten nach meiner (abstrusen) Rechnerei eigentlich gar nicht aufgestiegen sein kann – auch der FCK wäre es nicht! – , dagegen alle anderen Ersten in den restlichen fünf interregionalen Ligagruppen zweifelsohne. Zum Teil mit deutlich mehr Punkten, als es meine Statistik verlangt. Dieser „Minimalfaktor 2“, den es punktemässig im zeitgenössischen Fussball ja gar nicht gibt – früher ja!, würde nun rechnerisch für den FCK bedeuten, dass im kommenden Saisonverlauf zur Absicherung eines eventuellen Aufstiegsziels jeweils einige Punkte (als Dreier und/oder Einser zusammengezählt) in der Hinterhand zu halten wären, um am Ende deutlich über die ominöse Zahl 52 zu kommen. Dann kann auch mal, wie samstags, kurz vor dem 16-er, ein Gegner „zur Strecke gebracht werden“ – indianisch gesagt. Was wohl „anschliessender, raffinierter Frauenfelder Freistosslupfer“ auf indianisch heisst? Im Fussball Meister zu werden ist zusammengenommen zumindest statistisch also ganz einfach, prinzipiell nur etwas komplizierter. Trainer fragen! Postskriptum mehr oder weniger ein Geheimtipp für die kommende Spielzeit auf Klein Venedig: der Ostschweizer Barnetta ist anscheinend frei!……..“Howgh!“.

  2. Bruno Neidhart schreibt:

    Ein ziemlich ernster Nachschlag: Die Attraktivität der heutigen, klassisch genannten 1. Liga ist nicht sehr bedeutend (dennoch Gratulation an Kosova aus Zürich!). In früheren Fussballzeiten war diese höchste Schweizer Amateurklasse wirklich ein fester Begriff für attraktiven, stringenten, damals meistens noch „ziemlich unbezahlten Fussball“ (!?) weit über den Gotthard hinweg, bis tief ins Mittelland. Man war wer. Es ist bei den heutigen Ligaverhältnissen daher eigentlich weniger wichtig, ob in der 2. Interregio, oder dann in der klassischen Eins gekickt wird. Es würde sich tatsächlich auch am Zuschauerzuspruch – Erfahrungen liegen vor – nicht dramatisch viel ändern. Auch nicht Entscheidendes an der Spielqualität. Und es gäbe weniger „spannende Derbys“, wäre für den Klub andererseits wirtschaftlich bereits beanspruchender. Ich bin daher prospektiv der Ansicht, dass mit einem Aufstieg in die klassische Erste gleichzeitig das Ziel verbunden sein müsste, auch mal die „Promotion“ erreichen zu wollen (Betonung auf „wollen“ reichte schon mal!). Hier erst befinden sich dann einige klangvolle Mannschaften – „von oben abgestiegene“, wie auch ambitionierte „alte Newcomer“. Allerdings wären für dieses Abenteuer die Bedingungen beim FCK derzeit längst nicht ausreichend, müsste doch dann mit einem ganz anderen „Jahresetat“ gearbeitet werden können. Und die FCK-Arena hat momentan ein Niveau, das zwar durchaus Spass machen kann, gar einen „unaufgeregten Charme“ besitzt, doch wäre, „um zu promovieren“, an der gesamten Infrastruktur unter diesem Blickwinkel zweifelsohne tüchtig nachzuarbeiten. Dabei ist man sich in Kreuzlingen noch nicht mal einig, wo denn dereinst FCK-Tradition weiter zelebriert werden soll. Und so bleibt vorläufig eben nur, auch in der kommenden Spielzeit wiederum tüchtig die Ligaspitze mit zu bestimmen. „Was dann vom Tage übrig bleibt“, wissen traditionell nur die Götter. Oder der Verband! Somit auf ein erfolgreiches Neues-Altes in Grün-Weiss!

  3. Chrigel schreibt:

    Ich war seit langer Zeit wieder einmal bei einem Spiel vom FCK. Es hatte mir sehr gefallen, auch wenn es mit dem Aufstieg nicht geklappt hatte. Aber eines muss ich noch los werden: Wie sieht es den aus mit dem Verhältnis zu den Nachbarvereinen? Vor allem Tägerwilen? Bisher war ich der Annahme, dass dieses Verhältnis durachaus freundschaftlich sei. Während dem Spiel stand ich neben verschiedenen FC Tägerwilen Spielern und Staffmitgliedern (Trainer Tobler, Co-Trainer, Torwart Thomas Meier (ex-FCK), Santabarbara (ex-FCK) und einigen anderen). Ich war doch sehr überrascht, wie die Herren (und ihre spärlich anwesenden Damen) sich freuten, wenn Kreuzlingen ein Tor bekommen hatte oder wie sie sich negativ über den FCK äusserten. Gerade von den ex-FCK’lern hätte ich doch zumindest ein wenig „Feingefühl“ erwartet.

    Naja, sei’s drum…
    Grüsse und ich merke ich muss diese Seite mehr besuchen. Tolle Artikel, danke Dani!

    • War schön Dich mal wieder zu sehen Chrigel und freut mich, dass es Dir gefallen hat. Ist schade mit solchen Dingen, verstehe ich persönlich auch nicht. Gerade mit genannten Ex-FCK’lern hatten wir ja immer ein gutes Verhältnis, mit Thomas Meier habe ich mich vor dem Spiel auch freundschaftlich unterhalten. Ich kann nur versichern, dass beim FCK auch im Vorstand bestimmt kein entsprechendes Feindbild gepflegt wird und wäre mir sicher, dass umgekehrt bei einem wichtigen Spiel in Tägerwilen nicht solche Kommentare kämen. Kann mich z.B. erinnern wie viele von uns Calcio beim letzten Cup-Spiel unterstützten und ich selbst war bei deren letzten Aufstiegsspiel und hab mich ehrlich über deren 2.-Liga-Aufstieg gefreut. Naja, die „Stadtvereine“ haben es diesbezüglich immer schwer bei den umliegenden, denke das ist in Singen oder Konstanz nicht anders.

    • Bruno Neidhart schreibt:

      Noch tummeln sich in der Region – oder druckfrischer: Agglomeration – keine „Hooligans“ herum. Es ist schon so, wie „porteños“ feststellt, dass „Stadtvereine“ auch mal gerne im Fokus „umliegender“ sind. Ich sehe das weniger dramatisch. Hat oft nicht ausschliesslich mit „Sport“ zu tun, wie man weiss, ist somit keineswegs nur ein spezifisch fussballerisches Phänomen (besonders wenn es „usgrächnet“ um die lieben Nachbarn geht!). „Rivalität“ gehört im Fussball einzig aufs Spielfeld – nicht auf die Rampe! „Chrigel“ beschreibt unlängst eine andere Erfahrung. Daher die elementare Frage: Warum soll ein Nachbarverein in einem entscheidenden Spiel von „umliegenden“ (umgekehrt auch mal „städtischen“) nicht voll unterstütz werden? Das soll mir mal einer „freund-fussballerisch“ erklären. Es ist doch nur gut, wenn hier, „in der letzten Ecke Helvetien“, sowohl „städtisch“ (FCK, Calcio), wie „vorstädtisch“ (Tägerwilen, Münsterlingen) ansprechender, erfolgreicher, fairer Fussball der Bevölkerung geboten wird.

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