Kreuzlinger Kiste – Fundstücke. Diesmal: von Backs und Beggs

Ein eigenes Vereinslied gehörte schon in den 30ern zum guten (oder schlechten) Ton. In einem Festprogramm von 1937 findet sich das damals bevorzugte FCK-Lied Brüder lasst die Bundesfahne wehn.

Nach etwas Recherche zeigte sich schnell, von wegen „eine Schar grün-weisser Jungen, die haben es erdacht“. Brüder lasst die Bundesfahne wurde zu dieser Zeit von zahlreichen Vereinen zum Club-Lied auserkoren. Mal mehr oder weniger originell umgetextet. Die Quellen sind eher dürftig. Zu Beginn der 20er-Jahre schrieb ein Hans Laib für Waldhof Mannheim eine der ersten Fussballversionen nach Vorlage von Otto Hilgers Polit-Lied Freiheit oder Tod bzw. Brüder seht die rote Fahne.

Von Backs und Halves sangen in der Folgezeit die anglophilen Schweizer Vereine wie der FC Kreuzlingen oder der FC Wetzikon. Beim FC Kestenholz wurde im Laufe der Jahre aus den englischen Backs die Beggs – die wie ne Mauer stehn. Beim SV Bergatreute kommt man gleich zur Sache: Ziehn wir ins Vereinslokal – und die Sauferei geht los! heisst es dort recht unbeschwert. Beim FV Marbach wurde das Lied tatsächlich noch an der Generalversammlung 2001 gesungen. Das Tondokument wurde allerdings von der Internetseite gelöscht.

FCK Lied 1937Die Vorlage:

 

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3 Antworten zu Kreuzlinger Kiste – Fundstücke. Diesmal: von Backs und Beggs

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Fast wäre ich einem Irrtum erlegen und verwechselte Hans Laib mit Hans Leip! Doch auf „Waldhof“ reduziert, dem erklärten „Arbeiterverein“, und auf den Verweis auf „Brüder seht die rote Fahne“, das Laib als Textvorlage diente, stand ich nicht mehr im Abseits (zu Hans Leip später). „Vereinslieder“ sind sicher nicht nur ein fussballspezifisches „Ereignis“. Es gibt sie wohl jedoch besonders in Sportvereinen. Der Text kommt, wie auch die Melodie, oft etwas sperrig mit vielen atemberaubenden Reim- und Tonsequenzen daher, was selbstverständlich etwa für „Vor“ und „Tor“ nicht gilt: Bietet sich naturgemäss an. „Tore schiessen“ ist dann etwas schwieriger! Man muss solche Vereinsgesänge sicher von Gesängen unterscheiden, wie sie auf den Tribünen „blühen“. Diese sind heute sehr oft internationalisiert, unkreativ bis hörbar blöd. Dagegen kann das Vereinslied durchaus „munter“ daherkommen – reimt sich zufällig mit: „geht nicht unter“! – also einem wesentlichen Zweck jeder Vereinsgeschichte. Gesungen wirkt „aus Erfahrung“ ein Lied dann deutlich überzeugender geschmettert, wenn die erste und zweite Bierrunde bereits vorüber ist. So war es mindestens früher. Heute ist – inzwischen voll automobilisiert und polizeilich kontrolliert – auch ein alkoholfreies Mitsingen angesagt. Es geht ja prinzipiell um den Verein als „Masseinheit“ – nicht um diejenige des Alkoholpegels. Nun noch zu Hans Leip: Der Hamburger schrieb den Text zu einem „Bestseller“, der während des 2. Weltkrieges in einem Lied jahrelang international als Top 1 fungierte: „Lili Marleen“, interpretiert von einer etwas morbide jammernden Lale Andersen. Warum dieses „Vor der Laterne“…..usw. über alle Feindgrenzen hinweg beliebt wurde, mag dem Gefühl von (unkriegerischer) Intimität, Heimat, Sehnsucht, Liebe, usw., geschuldet sein, also Attribute, wie sie durchaus auch einer „Fussballgemeinde“ zugeschrieben werden (könnten) und sich so ab und zu auch in einem Vereinslied manifestieren mag (plus selbstverständlich „elementar fussballerisches Begriffseinmaleins“!). Hans Leip lebte übrigens jahrelang in Fruthwilen oberhalb Ermatingen und starb dort mit über 90. Begraben ist er jenseits des Untersees, auf der Höri in Horn (mit übrigens hübschem Kleinstadion und schön erweitertem Klubhaus über den Stehrampen). Es stellt sich mir noch abschliessend die wichtige Frage, wie wohl bei einem „fusionierten Fussballverein“ ein gemeinsamer Vereinsliedtext zu gestalten wäre. Besonders das Reimen dürfte sich bis zum „geht nicht unter“ lange hinziehen, ist doch sicher für manche Vereinshardliner bereits viel untergegangen.

    • Auf Hans Leip bin ich bei meiner Recherche auch gestossen. Ich hoffte auf einen Schreibfehler, wäre natürlich eine schöne Geschichte gewesen, wenn das Lied dann doch Bezug zu dieser Region gehabt hätte, aber eben, hat sich dann erledigt. Auch zu Hans Laib konnte ich nichts weiter finden. Von Hans Leip hatte ich zuvor noch nie gehört, manchmal vermag auch der Fussball den Horizont zu weiten.

      • Bruno Neidhart schreibt:

        Fussballerisch auszuweiten wäre noch, dass im Horner „Kleinstadion“ (Horn gehört zur Gemeinde Gaienhofen) der FC Öhningen-Gaienhofen antritt (oder dann auch auf dem Platz unterhalb des ehemaligen Klosters in Öhningen). Der Klub ist eine Vermengung von SV Gaienhofen und dem FC Öhningen, die vor gut 10 Jahren beschlossen, ihre Aktivmannschaften aus dem vorhandenen Spielermaterial zu mischen, um sich nicht gegenseitig zu konkurrenzieren (die 1. spielt derzeit in der Kreisliga A). Das Frauenteam generiert seine Spielerinnen gar aus 3-4 Vereinen. Und gegrillt wird auf den Plätzen auch richtig! In der Regel „Fanbus“ bei Auswärtsspielen. Ich habe einfach mal näher recherchiert, nach dem wir drei Dienstagswanderer gelegentlich am „Kleinstadion“ vorbei marschieren.

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