Kreuzlinger Kiste – Fundstücke. Diesmal: Das Konstanzer Konzil und der FCK

Zur Zeit des Konstanzer Konzils (1414 bis 1418) schenkte Papst Johannes XXIII dem Abt vom Kloster Kreuzlingen eine goldbestickte Mitra. Diese wurde fortan von Kreuzlinger Geistlichen durch alle Wirren der Zeit gerettet und existiert noch heute. Doch wo lebt die Legende fort?

Die Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte weiss rat: „Seit ihrem Bestehen hat die Legende um die Mitra wie auch diese selbst eine identitätsstiftende Funktion, die zu verschiedenen Zeiten von unterschiedlichen Gruppen beansprucht wurde und noch wird, wie die Logos mehrerer Vereine Kreuzlingens, beispielsweise des Fussballclubs FC Kreuzlingen 1905, belegen, die über das Stadtwappen ebenfalls auf das Stiftswappen der Mitra zurückgreifen“. Selbst die Wappenform erinnert doch ein wenig an die Mitra, göttlicher Beistand sei uns gewiss.

Doch mal ehrlich, identitätsstiftend ist sicher manches beim FCK, aber die Mitra aus Zeiten des Konzils? Das Stadtwappen wird übrigens erst seit den 60er-Jahren im FCK-Logo geführt und dies ist von der Stadt nicht mal besonders gern gesehen. Ausserdem, wie war das von der Gründungszeit bis mindestens in die 60er-Jahre hinein, kirchliche Institutionen und die Turnerbünde galten als grösste Widersacher des Fussballspiels. Trotzdem ein schönes Fundstück für die Kreuzlinger Kiste.

Konzil Mitra FCK

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3 Antworten zu Kreuzlinger Kiste – Fundstücke. Diesmal: Das Konstanzer Konzil und der FCK

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Die „Mitra“ gehört heute eigentlich nach Kreuzlingen – weniger nach Frauenfeld. Sie war übrigens eines der Glanzstücke der Konzilsausstellung mit letztlich direktem Bezug zur Kreuzlinger „Ur-Geschichte“. Das Stiftswappen kündet denn auch markant von der klösterlichen Vergangenheit von „cruzelin“ (Ob so früh bereits Fussball gespielt wurde, weiss ich nicht). Doch warum soll das zum Stadtwappen mutierte nicht im Klubwappen des „Stadtklubs“ erscheinen? Die Stadt selbst „versteckt“ das Wappen eher! Man macht, wie viele Orte, mehr auf „modern“. Daher flattert es zum Beispiel in Grün-Blau-Gelb, usw. Der Stolz auf das Überkommene erscheint „städtisch geradezu begrenzt zu sein“. Dazu hat der Kanton mit beigetragen, machte er doch aus dem Kreuzlinger Augustiner-Chorherrenstift nach der Säkularisation von 1803 für die Bevölkerung eine ziemliche „No-go-Aerea“ – ein kantonales Schulgebäude. Bis heute. Und so „verteidigt“ denn der Stadtklub geradezu die Stadtvergangenheit prägnant, eine Stadt, deren Stolz auf die geschichtliche Vergangenheit, wie beschrieben, nicht eben ausgeprägt erscheint (Auch wenn sich aus dem ersten Kloster nicht gleich eine Stadt entwickelte!). So ist denn das „Identitätsstiftende“ in der Stadt allgemein bescheiden. Da erfüllt der Stadtklub ja geradezu eine Funktion. Könnte man einwenden. Ich meine, so ist es gut, wie es ist – das mit der „Integration“ ins eigentliche Klubwappen.
    Von der Kreuzlinger Klostergründung vor rund 1000 Jahre (!) doch noch zum „Fussball an sich“: Es stimmt schon, dass zumindest noch in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts beispielsweise im Turnverein allein das Berühren eines Balles mit den Fuss als „abartig“ bewertet und fast zu einem „Offizialdelikt“ erklärt wurde. „Heimlich“ sah das schon anders aus. So tauchten auch „gehobene Turnverein-Giganten“ zumindest als Zuschauer damals im Stadion an der Konstanzerstrasse auf. Und am Sonntagmorgen spielten besonders die damaligen Leichtathletencracks versteckt „Fussballtennis“ in der mittlerweile verschwundenen alten Sekundarschulturnhalle! Um 60 herum „grümpelte“ man aber dann schon auch als Turnvereinsmannschaft: Die Vernunft als Resultat der Aufklärung griff.
    In eigener Sache: Bin absoluter „Fan“ von gestreiften Leibchen, wie es ikonografisch im FCK 1905-Klubwappen dargestellt ist. Schiesst und verhindert allerdings dadurch auch keine Tore! Dazu ist eher der neue Trainer zuständig. Und die Mannschaft natürlich. Und deren „Stolz“, „identifizierend“ für Kreuzlingen aufzutreten.

  2. Spannend. Um das Klublogo pixelfrei zu digitalisieren, hatte ich übrigens die Stadtverwaltung nach einem hochauflösenden Stadtwappen angefragt. Mit negativem Bescheid, man sehe das aufgrund der Verwechselungsgefahr mit der offiziellen Stadt nicht so gerne in den Vereinswappen. Zum ebenfalls spannenden Thema der Fussball-Aufklärung, mir ist eine Person bekannt, welche noch in den 60ern, trotz grösstem Wunsch, nicht in den FC Kreuzlingen eintreten durfte aus wohl moralischen Bedenken. Bin ebenfalls Fan von gestreiften Trikots, welche der FCK übrigens auch in den 30ern trug. Das Argument mit den Streifen im Wappen muss ich mir merken! Die Trikots der kommenden Saison sind allerdings schon im Einsatz – und sind wenigstens mit dünnen Streifen versehen:
    http://www.fck-1905.ch/dienstag-test-gegen-neues-team-von-kristijan-djordjevic/

  3. Bruno Neidhart schreibt:

    Die „Massnahme“, nicht mal einem offiziellen Fussballspiel zuschauen zu dürfen, zählte damals als familieninterne „sportliche Höchststrafe“. Bei unserem Papa war es wohl auch dem Umstand zuzuschreiben, dass wir kilometerweit von der Grenze (ehemals „Grenzlandstadion“) entfernt wohnten und er uns lieber tschuttend – jawohl tschuttend, mit Papa am Penaltipunkt!! – im eigenen Garten sah. Das Tor bildete eine um 90 Grade aufrecht gestellte, drahtgeflechtete Salatsetzlingsbeetüberdeckung (ursprünglicher Sinn: Schneckenabwehr).Von diesem Garten aus sahen wir immerhin über eine fiktive Grenze im See bis hin nach Meersburg. Heute versperrt – ganz nebenbei – eine stolze Armada Häuser die Sicht für die jetzigen Garten- und Hausbesitzer (Stichwort hier: Nachverdichtung). Man muss auch stets berücksichtigen, dass damals im kleinen schaffhausischen Heimatort des Vaters noch kein „Tschuttiverein“ existierte. Der sportliche Platzhirsch war endgültig der „Eidgenössische Turnverein“. Die Silbermedaille ging an den „Militärischen Reitverein“. Auch eidgenössisch. Andere Zeiten. Und dann hatten wir noch zu berücksichtigen, dass unser Vater „Thurgauer Meister im Diskus“ wurde. Dieses Sportinstrument wird bekanntlich vor allem durch Arm und Hand bewegt! Die dicke Metall-Ehrentafel mit Holzumrandung hing für alle Anwesenden sichtbar in der Stube. 1954 dann der finale Durchbruch mit dem Endspiel Ungarn gegen Deutschland: Die ganze Familie am Radio! Mutter sockenstrickend daneben. Dass noch in den 60ern Wünsche abblitzten, dem FCK beizutreten, mag durchaus sein. Vielleicht gibt es noch immer „in dieser oder jener Richtung“ Zoff, wenn ein solcher Wunsch aufkommen sollte. Wer weiss. Dazu können heutzutage die vielen tüchtigen und sich identifizierenden Jugendbetreuer allerdings nur lächeln – die positive Seite einer ehemals tatsächlich bis zur „Moral“ aufgeschauckelten Ansicht über „diese oder jene Art“ einer gesunden sportlichen Betätigung. Es war halt so!

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