Erhitzte Gemüter bei einem Sieg in Unterzahl

Wieder ein schwieriges Spiel gegen Gossau ZH, Partien gegen die Zürcher Oberländer sind fast immer kuriose Duelle mit Aufreger-Potential. Dabei sah es so einfach aus in der ersten Viertelstunde, durch Sprenger und Beran führte der FCK mit 2:0. Der Anschlusstreffer mittels präzisem Freistoss kam zwar überraschend, doch an drei Punkten konnte kein Zuschauer zweifeln, zu überlegen spielten unsere Hafenstädter zu diesem Zeitpunkt.

FCK Arena quer

Aufreger des Spiels war dann ein gegen Wilhelmsen gepfiffener Elfmeter samt gelb/roter Karte. Die meisten Zuschauer hatten einen normalen Zweikampf mit Ausrutscher gesehen, gar ein vorgängiges Foul des Stürmers. Der besser positionierte Linienrichter wurde nicht zu rate gezogen, was für erhitzte Gemüter auf und neben dem Platz sorgte.

60 Minuten zu zehnt ist zwar ein Nachteil und der FCK geriet nach den Umstellungen auch etwas aus dem Konzept, doch in der fünften Leistungsklasse ist das selten Spielentscheidend. So kam es auch, am Ende setzte sich die spielerisch überlegene FCK-Elf mit den besseren Einzelspielern durch (4:3, Spielberichte). Gossau war aber wieder ein hartnäckiger Widersacher und ein Kompliment gilt den Oberländern für den erneuten Einbau zahlreicher Eigengewächse auf die laufende Saison.

Beim FCK ist man diesbezüglich zumindest auf dem richtigen Weg. Durchgängige Juniorenteams in allen Altersstufen und mit ausnahmslos ausgebildeten Trainern. Anstelle von A-Junioren ist eine 2. Aktiv-Mannschaft im Einsatz.

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Saisonauftakt geglückt, es wurde noch lange gefeiert und gesungen im Club-Beizli, jetzt geht es weiter in Freienbach.

Zugabe aus dem Magazin Zeitspiel: „1980 viertklassig zu sein, bedeutete Provinzfussball. 2015 ist die vierthöchste Liga die Schwelle zum Profibereich.“ Auch auf die Schweiz ist das ähnlich übertragbar, denn um heute im Spitzen-Amateurfussball mitzuhalten, braucht es finanzielle Aufwendungen, die in den 80er-Jahren für ein NLA-Budget gereicht hatten. Vorbildlich geführte Vereine wie der FC Gossau schaffen es mit Eigengewächsen, Teamgeist und Cleverness in guten Jahren ins Mittelfeld der 2. Liga IR , spätestens dann ist aber Endstation. Einen Schuldigen muss man dafür nicht ausmachen, eine interessante Feststellung ist es aber allemal.

Spieler Portenos

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Eine Antwort zu Erhitzte Gemüter bei einem Sieg in Unterzahl

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Kleines Drama: Eine Stunde vor Spielbeginn rief mich mein fünfjähriger Berliner „Ferien-Enkel“ aus Allensbach an, ob ich mit ihm und seinen Zwillingsbrüdern (3) – plus ihrer Mutter! – in den Seeburgpark zum Spielen und so käme. Für einmal fiel der Heimmatch ins Wasser. Immerhin hörten wir vom Holzturm aus, über die Wollschweininsel hinweg (wir sahen nur Reiher und Stockenten), einiges Torgeschrei. Was passierte, konnte nur irgendwie erahnt werden. Eine gewisse Skepsis blieb und klärte sich erst auf der Internetebene durch eine „erhitzte“ Berichterstattung. Inzwischen habe ich auch den „Zeitspiel“-Artikel gelesen. Mit Schweizer Verhältnissen zu vergleichen ist recht schwierig. Wobei grundsätzlich die Problemstellung schon korrespondiert. Aber die Summen, die bereits in der Deutschen Oberliga, und dann besonders in der attraktiven Regionalliga zur Verfügung stehen (müssen), sind schon sehr beachtlich. Und zuschauermässig können etwa Schweizer Zweitligisten („Challenge“) nur davon träumen, was da zum Beispiel bereits regional bei ambitionierten Klubs abgeht.
    Für den Fussball beider Ländern gilt jedoch, dass mit einer „wirklichen Ambition“ die finanziellen Mittel schon für einen weiteren Sprung zu planen sind. Sonst endet das Unternehmen rasch im Elend. Wobei es in der Schweiz dazu kommt, dass die „Platzausgestaltung“ in der Regel deutlich nachgebessert werden muss, der Nachbar hingegen in diesen „unteren Ligen“ noch eine Menge traditioneller Klubs besitzt, deren Stadien durch eine höhere Ambition bereits gerüstet sind. In Helvetien gibt es das nur in reduzierter Form. Derzeit ist Servette „beispielhaft“. Es betraf auch Xamax. Die Gründe sind bekannt und nur bedingt „fussballerischer Art“.
    Wenn FC Gossau ZH positiv erwähnt wird, wie „Eigengewächse“ eingebaut werden, ist das super. Auch „Teamgeist und Cleverness“ sind Attribute, die bei Amateuren zählen. Doch wenn es nach oben gehen soll, sind „Zukäufe“ ziemlich unabdingbar, um den neuen Standard dann auch halten zu können. Also sind „finanzielle Mittel“ eben doch das Mittel zur Wahl, um längerfristig dort bleiben zu können, wo man hin möchte – trotz „Eigengewächse“. Ob das allerdings von einer grösseren zuschauenden Menge, die man potentiell in einer Stadt oder gar Region ausmachen könnte, honoriert wird, ist noch nicht so sicher. Was heisst, dass es letztlich um mehr zu gehen hat – gehen sollte! -, als um Fussball. „Tradition“, die als vorhanden angesehen werden kann, muss bei einer sich stetig verändernden Gesellschaft immer wieder neu justiert werden. Sie, eine „Tradition“ (110 Jahre), verankert in einer Stadt, sollte zum Bewusstsein weit über die 2 mal 45 Minuten wachsen. Letztlich geht es um „pure Freude am Sport“ – und eben auch an der Stadt! Dann muss man auch nicht unbedingt arg viel vom Geschehen verstehen, um so gemeinsam in den 2 mal 45 Minuten plus Pause und Wurst und Getränk glücklich zu werden (dies natürlich zusammen mit den „echten Fussballverstehern“ und „munteren Fangruppen“ als notwendiger, „hoch qualitativ diskutierender Bodensatz“ zum Spiel!). Und so glaube ich denn, dass die grossen Profivereine ihre schönen Stadien nicht nur mit Zuschauern füllen (können), die „absolut fussballsachverständig“ sind – oder „farblich verrückt“. „Man geht eben“. Bei Amateuren ist das eher weniger der Fall, zumal die „Stadionqualität“ in der Regel eine andere ist, das: „Man geht eben“, vielleicht zumindest auch ein Stück davon abhängt, „ob man tatsächlich geht“. „Tradition“ sollte auch da immer prospektiv ans Punkten denken.

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