Viel Fairplay, wenig Gerechtigkeit oder eher Grenzstadtkurier als NZZ

Der FC Kreuzlingen lässt Wil aus Fairplay ohne Gegenwehr ein Tor schiessen und leitet damit die Wende im Bergholz ein. Ist das Gerecht? Nein, aber typisch Fussball.

Jedes zweite Spiel der Rückrunde fand im strömenden Regen statt, so auch die 23. Meisterschaftspartie. Gut sass man da in der IGP-Arena im Trockenen. Direkt bei den Presseplätzen. An gleicher Stelle sass ich auch im alten Bergholz-Stadion. Dank dem alten Groundhopper-Trick. In den 90ern musste man nur Fanzine-Herausgeber sein, um mit einem Presseausweis kostenlos die tollsten Spiele von den besten Plätzen aus zu sehen. Grenzstadtkurier neben NZZ-Reporter, so was war damals möglich. Beim Boxen war sowas auch gang und gäbe. In vorderster Reihe bei Graciano Rocchigiani mit Cüpli und Crevetten. Irgendwann waren wohl zu viele Fanzine-Macher auf den VIP-Treffen und man schaute genauer hin.

Heute ging es auch ohne Schummelei, mit dem FC Kreuzlingen in der 2. Liga Interregional. Ist auch eher Grenzstadtkurier als NZZ.

Am Eingang ein älterer Herr im Wil-Trainer: „ich spielte auch schon beim FC Kreuzlingen, vor der WM 1954 war das!“ Danach redete er von seiner tollen Zeit beim FC Frauenfeld, ich wendete mich ab.

Was redet man auf der Pressetribüne? Die Türken feuerten vor dem Spiel U20-Trainer Philipp Dux und der Webmaster (!) musste auch gleich die Koffer packen. Niemand genügt mehr den Ansprüchen.

Der FCK spielte mit zwei Spielern aus der 5.-Liga-Mannschaft, die derzeitige Situation ist nicht leicht, aber man kann Mannschaft und Trainerteam nichts vorwerfen, es hätte heute ein Sieg sein können (Spielberichte folgen).

Nach der Kreuzlinger 1:0-Führung war ausgerechnet eine faire Geste so etwas wie der Wendepunkt des Spiels. Nach einem vermeintlich gepfiffenen Foul, konnten die Kreuzlinger ungehindert am verletzten Torwart vorbei zum 2:0 einschieben. Der Schiedsrichter gab das Tor. Bei Wiederanpfiff liessen die Kreuzlinger den FC Wil ungehindert den Anschlusstreffer erzielen (Speaker: „jetzt jubeln wir aber nicht zu laut“). Es war einem etwas komisch dabei, sowas rächt sich im Fussball. Mit Recht, die Äbtestädter drehten das Spiel und gewannen am Ende mit 4:3.

Immerhin, Wil ist damit dem Klassenerhalt einen grossen Schritt näher gekommen. Man kommt nächste Saison also wieder in den Genuss eines Stadions, auch ohne Presseausweis.

Wil Bergholz

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Eine Antwort zu Viel Fairplay, wenig Gerechtigkeit oder eher Grenzstadtkurier als NZZ

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Wil und Fussball ist so eine Sache: Nicht immer bezaubernd, was man in der Presse in schöner Regelmässigkeit über die Klub-Internas lesen kann. Wie dem auch sei. Ohne irgend welche verborgen einwirkenden Kräfte geht im Fussball manchmal eben nicht unbedingt Bedeutendes ab. Das Bedeutende in der durch die Herren von Toggenburg im 13. Jahrhundert gegründeten Stadt ist rein fussballerisch gesehen die Empfindung, dass man im Bergholz in absehbarer Zeit Super-League-Spiele sehen möchte. Wohlan! Da muss aber noch tüchtig getrommelt werden, damit es auch mit der Zuschauerzahl nach oben geht. Doch diese Ausgangslage ist derzeit für alle einigermassen ambitionierten Klubs der Challenge-League gleich, und somit ein ernsthaft zu beackerndes Feld, wie bekanntlich auch bei den Amateuren.

    Schaffhausen hegt übrigens die gleiche Absicht, wie Wil. Auch an Munot und Rhein soll es nur einen Fussballweg geben: Nach ganz oben. Das sich im Bau befindliche Stadion mit 8000 gedeckten Plätzen im verkehrsbelasteten lärmigen Herblingertal mit Kunstrasen, Rasenheizung, einkaufsmässiger Mantelnutzung (Lipo-Arena) , 12 ausserfussballerische „Events“ pro Jahr in der Arena, usw., zeigt bereits deutlicher nach oben als im Toggenburg, da im Bergholz bis anhin ausser 700 „Gedeckten“ alle anderen Freunde des Fussballs im Regen stehen müssen. Wobei gegen die schöne neue Tribüne nichts einzuwenden ist, entsprang die Anlage doch einem bemerkenswerten sportlich-städtischen Kraftakt mit eben Fussball, Schwimmhalle und (vernünftiger) Eishalle, usw. Rund 60 Millionen wurden gesellschaftlich investiert. Und dieser Brocken musste gerecht verteilt werden. Der Klub trug selbst 2 Millionen zu den rund 11 Millionen für das neue Bergholz bei, ist zu lesen. Flott.

    In Wil regnete es am Pfingstsamstag wie vorausgesagt (Im Toggenburg regnet es öfters in Strömen – persönliche Wandererfahrung!). Somit sassen die 100 Unentwegten, so darf man annehmen, bei Wil 2 – Kreuzlingen 1 im Trockenen. Der FCK brachte allerdings auch dieses Spiel nicht in trockene Tücher, obwohl man mit zwei Toren führte. Das Anschlusstor der jungen Wiler gehört zu jenen Episoden, die tatsächlich auch noch zum Fussball gehören. Die Frage stellt sich mir, bis zu welcher Liga solch schöne Gesten verabreicht werden, und wo der Blick des Spieler/der Spieler zum Trainer (und zum Klubpräsidenten!) zu einem anderen Ergebnis führen würde, sofern es zum Beispiel um Millionen geht. Ich erinnere mich da an Spieler Kiessling von Bayer 04, der damals gesehen haben muss, was ja seine enttäuschte Reaktion aufzeigte, dass sein Kopfball seitlich durch ein Loch im Tornetz eindrang. Hätte er sich outen sollen? Was hätte dazu der Trainer gesagt? Was hätte der Klubpräsident vermeldet? Und hätte der Schiedsrichter überhaupt eine Spielerehrlichkeit als „Nicht-Tor“ in sein Büchlein schreiben dürfen? Ich bin hier nicht regelsicher genug.

    Trainer Nogic, lese ich auf sport-fan, veranlasste selbst die schöne Geste mit dem freien Durchlaufen eines Wilers vom Anspielpunkt bis ins Kreuzllnger Tor. Eine Art Kappeler Milchsuppe. War einwandfrei. Nun: Die Suppe hat anscheinend den Gegner überraschend mehr gestärkt, als die FCK-Spieler. Dabei führte man ja noch immer mit 2:1 – „die Gelegenheit war günstig“ (Tell). Doch die nicht immer gemütliche Saison geht nun zu Ende, und man (FCK) ist im Mittelfeld gelandet, war nie abstiegsgefährdet, spielte ab und zu auch mit einer Rumpfmannschaft ordentlich, hat einen neuen tüchtigen Trainer, und kann ohne noch viel über Verpasstes zu hadern die kommende Saison zielgerichtet angehen, auf dass es die Gegner ziemlich schaudert, wenn 2016/17 ein erstarkter FCK in Grün-Weiss kraftvoll aufläuft. Das Negative liegt immer hinten, das Positive stets vorn. Man muss nur daran glauben.

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