Schlechte Figur auf dem Dorfplatz

Im Amateurfussball ist der Schweizer Cup meine liebste Disziplin. Unbekannte Vereine, entlegene Dörfer, die Hoffnung auf das grossen Los. Dieses Jahr sollte es sich also in Dulliken entscheiden. Gemeinsame Vergangenheit: Schuhfabrik Hug. Der Fussballclub, 1933 gegründet, hat niemals weiter oben gespielt, ein Dorfverein auf dem Zenit seines Könnens. Beim FCK: seit Jahren mal wieder ein gemeinsamer Spieler-/Fancar. Gleich zu Beginn gaben wir eine „merda figura“ ab, hätten wir durch einen Kommunikationsfehler doch fast die Abfahrt verpasst.

Was für eine geballte Trainerkompetenz rauschte da nach Dulliken! Nogic, Späth, Gräble, Tobler, Gimenez, Caktas, Luis, UEFA-Diplome, 1.-Liga-Schlachten, erreichte und verpasste Aufstiege in den Profi-Fussball, was haben die alten Trainerhasen nicht alles erlebt!

In Dulliken trafen wir im Restaurant Löwen zufällig auf weitere drei FCK-Fans. Die Welt ist klein bei Auswärtsspielen auf dem Land. Aber umso sympathischer.

Auf dem Fussballplatz Ey folgten Regenschauer, Sonne, haarsträubende Fehlpässe,  eine vergebene „hundertprozentige“ kurz vor Schluss und noch kürzer vor Schluss der Todesstoss. 2:1-Niederlage in Dulliken, vorbei der Traum vom Schweizer Cup. Wiedermal auf einem Dorfplatz besiegt. In solchen Momenten sag ich mir immer, Beringen war schlimmer. Damals fuhr unser Trainer in der 80. Minute nach Hause, so grausam schlecht war das Cup-Spiel beim damaligen 3.-Ligisten.

Im Hafenareal angekommen stieg ich in mein Auto, fuhr durch das Eingangstor am Clubhaus und schlitzte mir an einer Metallstange den Reifen auf. Pannendienst. Halleluja! Monteur:“muen i schnell mache weg de EM?“ „nein, ist schon alles verloren“.

Dulliken Kreuzlingen

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2 Antworten zu Schlechte Figur auf dem Dorfplatz

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Hätte….. wenn! Doch wäre es einem Fussballwunder gleichgekommen – die gibt es allerdings ab und zu – , würde nun der FCK auf einen potenten Cupgegner warten und nicht der oben zitierte „Dorfverein“. Liest man die Spielberichte, spiegelt sich in ihnen jedoch die gesamte Saison. Nun, Ernst Bloch, der Philosoph mit fussballerischem Flair, bemerkte mal: „Netzers Pässe atmen den ‚Geist der Utopie‘ „. Und so tummeln sich derzeit eben keine Netzers auf Klein Venedig. Doch auch der grosse Günther hatte ab und zu seinen Fehlpass im Mittelfeld, einen jener Fehler im Getriebe, der im Saisonverlauf zu oft zu einem FCK-Markenzeichen mutierte (neben anderen…). Und so ist denn der FCK-Trainer Nogic definitiv gefordert, endgültig eine Antwort auf „Giovanni Trappatoni“ zu finden, der mal feststellte: „Fussball ist Philosophie. Wenn der Gegner den Ball hat, muss man fragen, warum.“ So einfach kann Fussball sein. Ist er so einfach? Ich darf nochmals zu einem Philosophen greifen – J. P. Sartre – , der simpel definierte: „Beim Fussball kompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.“ Sind wir nun einen Schritt weiter wie es weitergehen könnte mit dem FCK? Kaum. Und so bleibt eben die einfache Freude über den „Fussball an sich“ bei Walter Jens das Entscheidende: Der bekannte Rhetorikprofessor aus Tübingen widmete dem TV Eimsbüttel/Hamburg – in den 30ern eine legendäre Fussballmannschaft, wie es heisst – , den schlichten Satz: „Wenn ich den letzten Goethe-Vers vergessen habe, werde ich den Eimsbüttler Sturm noch aufzählen können.“ Vielleicht ist das die Geste, die den Fussball ausmacht. Und so ist zu hoffen, dass wir dereinst alle FCK-Spieler der Saison 2018/19 noch aufsagen können, wenn die Aufstiegsfeier längst verrauscht ist. Es wäre der dritte aufeinanderfolgende Aufstieg. Um Himmelswillen! Jetzt haben mich aber die Philosophen ganz schön am Wickel…….

  2. „Kreuzlingens Pässe atmen den Geist der Utopie und man wird die Spieler noch aufzählen, wenn alles andere vergessen“. Völlig irre, doch nicht ganz unmöglich? In der neuen Saison kommen zahlreiche Spieler mit höheren Weihen ins Hafenareal (Coutinho, Beran, Etemi, Aydeniz). Wird das der Eimsbütteler Sturm der heutigen Zeit? Wir wissen es nicht, es sind wieder alle Fragen offen, oder wie es Sepp Herberger sagen würde, „die Leute gehen zum Fussball, weil sie nicht wissen wie es ausgeht“. Nur ist es den meisten Kreuzlingern leider egal wies ausgeht. Geht es den Amateurvereinen bald wie den Dorfkirchen? Ich hoffe nicht.

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