Eine Nullnummer am Hafen

Die Hellblauen schrammten an der Sensation vorbei, die Grün-Weissen dümpeln gegen Sirnach zum 0:0. Kreuzlinger Fussball zum Herbstbeginn.
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Der Kreuzlinger Fussballfreund hatte am Samstag zeitgleich die Wahl zwischen zwei Fussballspielen. Sollte man ins Hafenareal zum 2. Liga Interregional Kantonsderby FC Kreuzlingen – FC Sirnach oder ins Döbeli zum Schweizer Cup 1/16-Final AS Calcio Kreuzlingen – FC Tuggen? 

Etwa 160 Zuschauer entschieden sich für die erste Variante, eine Zuschauerzahl bei Calcio ist auch am Montag noch nicht zu erfahren. Der Lokalkonkurrent aus Emmishofen kam zum ersten Mal unter die Letzten 32 des Schweizer Fussballs. Ein schöner Erfolg für den Verein aus dem Westend. Als FCK-Fan kann man das gelassen nehmen, immerhin gelang den 05ern dieser Erfolg schon 10 Mal. Edit: Bei Calcio waren es nur 200 Zuschauer, unglaublich wenig für die 1/16-Finalteilnahme eines 2.-Ligisten.

Die Hellblauen schieden gegen den Verein aus der Promotion League unglücklich nach Penaltyschiessen aus (6:7 n.E., 1:1 n.V) und verpassen damit ein Achtelfinale gegen den FC Basel. Die Grün-Weissen trennten sich in einem schwachen Spiel mit dem FC Sirnach 0:0 (Spielberichte, Video-Best-Of).

Zur Lage der Liga. Frauenfeld und Kosova spielten im Verfolgerduell 3:3. Rüti rückte mit einem 2:0 über Uzwil auf Rang 2 vor. Linth schlug den Tabellenleader Freienbach mit 4:0 (!). Damit sind auch alle derzeitigen Top-Teams der Liga genannt.

Was war eigentlich los im Hafenareal? Manchmal bleibt wenig hängen und man geht lieber nochmal einen Sirup holen.

finja-sirnach

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3 Antworten zu Eine Nullnummer am Hafen

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Sirnach: Zweigte ich beim Gasthaus Engel scharf ab, kam mir das Tannzapfenland entgegen, wenn ich wiedermal das Hörnli (1133 m) angreifen wollte, diesen ominösen Kreuzlinger Schulausflugsberg („worum nur ufs hörnli?“). Schöne Fernsicht. Und dann war da noch unser netter Nachbar, dessen Frau aus Sirnach stammte. Er hatte die stille Eigenschaft, eine Diskussion über den Zaun hinweg – oder am Gartentisch – stets nur als Hörer zu verfolgen, meldete sich jedoch so alle zwei Minuten mit einem: „Jo-jo“ (das „o“ wie bei „ordentlich“ ausgesprochen)! Es war sehr gemütlich.
    Viel weniger gemütlich ging es wohl samstags im Hafenareal zu. „Kein Rezept gegen die Sirnacher Abwehr“! In der Tat geht man wohl nicht fehl, festzuhalten, dass ein FCK-Dreier erwartet werden konnte. Das Tabellenmittelfeld lag in Sichtweite. Es stellt sich ob der – relativen – Pleite die Frage: „Sind denn die Blumen bereits verwelkt, welche in Chur so schön aufgingen?“ Fussball ist leider nur bedingt eine Frage der Naturpoesie!

    Das wiederum führt mich direkt zur Sirnacher Verteidigung: Hatte der Klub vielleicht ein Geheimsystem vom Hinter- (oder Süd-) Thurgau in den Nordthurgau mitgebracht? Etwa eine todsichere Verteidigungsvariante, die man ehemals zum Beispiel als „Catenaggio“ (gezähmt) oder sonst noch wie und was bezeichnete? Wurde ein 1-4-3-2-1 oder 1-2-3-5 oder gar ein asymmetrisches 1-3-5-2 aufgezogen und sich systemgestützt hinterthurgauerisch zurückbewegt, wenn es vor dem eigenen Tor lichterloh zu brennen begann? Auch bleibt noch der ländliche „Schweizer Riegel“ als Möglichkeit, mit dem ehemals Karl Rappan aus Wien das halbe Europa nervte, in dem er die äusseren Halbstürmer bei drohender Gefahr früh zurückbeorderte, ebenso die beiden Flügelflitzer, sowie das ursprüngliche Verteidigungsduo hintereinander postierte, der hintere Mann dann als Libero abräumend, wobei dadurch aus einem damals klassischen 1-2-3-5 rasch ein Riegel 1-1-6-3 zu konstruieren gelang. Das wiederum erinnert mich direkt ans Hörnli, also an die Schulzeit – genauer: an Morgarten 1315. Greift Fussballsirnach vielleicht soweit zurück? Hat Karl Rappan – ausgerechnet ein Österreicher! – den damaligen Schweizer Schlachtenplan womöglich fussballerisch interpretiert? Und hat sich 2016 der Sirnacher Trainer vielleicht vom vielen Holz im Tannzapfenland zum Abriegeln inspirieren lassen, von den vielen Rugeln, die damals auf die Österreicher niedergeprasselt sein sollen – wie man in der Schule schlachtenmässig lernen musste? (Sempach übriges 1386 – habe nachgeschaut).

    Ich vermute mal, die Sache ist bei fussballernden Amateuren simpler: Der städtische FCK hat einfach nicht gut genug gespielt – nicht so, wie er eigentlich könnte. Sagt man. Und Sirnach hat mit viel ländlichem Mumm tüchtig verteidigt und hätte durch Lücken im FCK-Rückraum sogar gewinnen können – liest man. Was ich beim obigen „Systemsalat“ immerhin gelernt habe ist, dass, wenn man schon kompakt verteidigt, sich nicht mit „Querspielen“ (horizontal) befreien sollte, weil dann bei Ballverlust wiederum höchste Gefahr besteht, sondern man sollte sich grossräumiger diagonal passend nach vorne bewegen, möglichst als direkter Gegenangriff aufgezogen, da zu dieser Zeit der Gegner in der Regel durch eine hohe Verteidigung vorgezogen imponiert, da er ja im Angriff liegt, hinten dem Kontrahenten somit freien Angriffsraum bietet. So ist das. „Jo-jo“!

    • Nach so einem wunderbaren Kommentar sieht die Sache doch schon viel freundlicher aus. Ich spanne den Bogen zu Karl Rappan und seinem Schweizer Riegel. Der Wiener war von 1931 bis 1935 (Spieler-)Trainer von Servette Genf, später sass er dann nochmal auf der Trainerbank der Genfer (1948 bis 1957). In seiner Spielertrainerzeit musste er am 23. September 1933 mit Servette in Kreuzlingen antreten. Der frischgebackene Schweizermeister Servette verlor im Grenzland-Stadion an der Konstanzerstrasse vor 3’300 begeisterten Zuschauern sensationell mit 3:2 gegen den FC Kreuzlingen. Der Schweizer Rappan-Riegel war von Norman Smith und seinen Mannen geknackt!

  2. Bruno Neidhart schreibt:

    Was für eine tolle Geschichte, die sich 1933 an der Kreuzlinger Konstanzerstrasse, kurz vor der Grenze, fussballsportlich abspielte. Man kann es kaum glauben! Ist wie ein Märchen aus alter Zeit. Das mit der Zuschauerzahl von einst – und aktuell („Eine Nullnummer am Hafen“!) – gibt dazu einen vergleichenden Einblick und sollte wiedermal speziell angesprochen werden. Auch etwa dies: Dass man jüngst zum Beispiel „die Wahl“ hatte zwischen „Klein Venedig“ und „Döbeli“, zeugt zumindest von einer ziemlich ungünstigen Terminplanung. Ich hätte mir schon vorstellen können, dass man in diesem Fall gemeinsam das „Döbeli“ aufgesucht hätte: 160 plus 200 gleich 360 wäre schon mal eine Zahl gewesen, die einem schönen Ereignis einigermassen entsprochen, und dem regionalen Fussballsport ganz allgemein eine grössere Präsenz gegeben hätte. Gegen Basel oder GC wäre selbstverständlich das „Döbeli“ überfordert gewesen! Ein Gedanke, mit dem also eine Sportstadt nicht früh genug zu konfrontieren ist, sollten dereinst mal wieder glatte 3’300 Fussballverrückte anrücken. Märchen sterben nie.

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