Wir waren mal wer, wir werden mal wer

Vor Kurzem wurde mir ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung mit dem schönen Untertitel „Erkundungsreise an der Basis eines unzerstörbaren Spiels“ zugesandt. Es geht um den Amateurfussball und man findet darin so schöne Perlen wie „Der Fussball ist der Chor für die Lieder aus dem Leben“ oder  „Geschichten im Fussball sind oft Geschichten von Sehnsucht: Wir waren mal wer, wir werden mal wer“. Wie wahr. Erklärt es auch die vielen Trainerwechsel?

Vor etwa 25 Jahren sah ich meine ersten Spiele beim FCK, ein Freundschaftsspiel gegen Slovan Bratislava, ein trostloses Spiel gegen den FC Rorschach. Das Gefühl, dass wir was besseres verdient hätten als Provinzfussball, wurde einem sofort vermittelt. Wir waren mal wer, wir werden mal wer. Entsprechend gereizt reagieren die Verantwortlichen und das Umfeld, wenn es nicht in die gewünschte Richtung läuft. Und das tut es meistens.

Letzte Woche war es wieder so weit, Vlado Nogic und der FC Kreuzlingen trennten sich einvernehmlich. Überrascht hat das nach den letzten Auftritten niemand. Auf ihn folgte als Interimstrainer Bernhard Gräble, der bisherige Athletik-Trainer. Die Mannschaft spielte befreit und gewann gegen den Tabellenzweiten FC Linth 04 verdient mit 3:1.

Unter den 210 Zuschauern fand sich regionale Trainerprominenz ein. Ueli Grawehr, Ridvan Rexhepaj, Kristijan Djordjevic, René Benz. Der FC Kreuzlingen ist noch immer begehrt, beim Trainertalk sorgte es für schmunzeln.

1931 startete der FC Kreuzlingen ein sehr innovatives Konzept für die damalige Zeit, die Kreuzlinger Fussballfreunde gingen dabei auch ein Risiko ein. Am Ende fehlte zwar der Mut zur Nationalliga, doch das Fussballmärchen welches in den besten Jahren 30’000-50’000 Zuschauer pro Saison lockte, hallte noch lange nach. Auch heute muss man wieder innovativ sein, müsste man sich mit ganz anderen Strukturen von der Konkurrenz absetzen. Es bleibt spannend beim Fussball am Bodensee.

Bernhard Graeble Trainer FC Kreuzlingen gegen FC Linth, FCK-Arena im Hafenareal Sportanlage Hafenfeld Kreuzlingen am Samstag 15. Oktober 2016 (FOTO GACCIOLI KREUZLINGEN)

Bernhard Gräble, derzeitiger Interimstrainer, FOTO GACCIOLI, Kreuzlingen

Trainer-Zeitraffer der letzten 40 Jahre FC Kreuzlingen:

1976 – 1978   Bodo Meinhardt
1978 – 1979   Karl Pofelski
1979 – 1980   Kurt Lichtensteiner
1980 – 1983   Eugen Schiltknecht
1983 – 1985   Jost Leuzinger
1985 – 1987   Laszlo Harsanyi
1987 – 1988   Domenico Marsano
1988 – 1990   Hanjo Weller
1990 – 1991   Martin Frei
1991 – 1992   Nikola Rebrina
1992 – 1994   Vlado Nogic
1994 – 1996   Jan Berger
1996 – 1997   Slobodan Cendic
1997 – 09/1997   Ernst-August Künnecke
09/1997  – 01/1998   Slobodan Cendic
1998    Giuliano Tobler
1998   Johannes Yardim
10/1998 – 2000   Axel Glässer
2000 – 2002   Klaus Späth
2002 – 03/2003   Luca Balduzzi
03/2003 – 2004   Willy Scheepers
2004 – 01/2005   Thomas Ardemani
01/2005 – 05/2007   Alfred Iten
05/2007 – 06/2007  Rui Luis
2007 – 03/2009   Willy Scheepers
03/2009 – 06/2009   Rui Luis
2009 – 04/2010   Ueli Grawehr
04/2010 – 06/2010   Nunzio Padula
2010 – 2012   René Benz
2012 – 05/2013   Marc Hodel
05/2013 – 06/2013   Armin Wronna / Aydemir Demir
2013 – 2015   Kristijan Djordjevic
2015 – 03/2016   Aydemir Demir
03/2016 – 10/2016   Vlado Nogic
seit 10/2016 Bernhard Gräble
 
Mit den noch zu eruierenden Interimstrainern. Fehler? Ergänzungen? Gerne in den Kommentaren angeben, vielen Dank.
Dieser Beitrag wurde unter Vor- und Nachbetrachtungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Wir waren mal wer, wir werden mal wer

  1. Steve schreibt:

    Dann hätten wir es also. Dann wäre es jetzt soweit…………. Ganz genau so wie ich es vorausgesehen habe!
    Es gibt Menschen die sind halt schneller weg als manchen lieb ist……oder doch eher „lieb ist wenn mancher schneller weg ist?“ 🙂
    Für den FCK ist der Rücktritt von Nogic ein Segen. Die Mannschaft hat grosses Potential das bis jetzt nicht annähernd zur Geltung kam….Wie
    auch? Mit Trainingsmethoden aus den 80er wirkte die Mannschaft Wirr, ohne ersichtliches System und Kraft/Saftlos
    Die Verantwortlichen sollten nun mit dem nötigen Sach/und Menschenverstand die Nachfolgeregelung im Sinne der Zuschauer/Sponsoren
    und der erfolgsorientierten Haltung des Vereins lösen. Und nicht ihr eigenes Ego in den Vordergrund drängeln.
    Denn: Vorbei sind die Zeiten in der sich Entscheidungsträger mit abgehalfterten Alt-Stars in der Zeitung ablichten lassen
    Also auf geht’s in eine hoffentlich spannende und erfolgreiche Zeit 🙂 !!!

  2. Bruno Neidhart schreibt:

    Wenn das nur so einfach wäre, mit dem „richtigen“ Trainer, in der „richtigen“ Zeit, und der „richtigen“ Mannschaft zu „alten Glorie“, oder sagen wir man still: „annähernd“ aufzuschliessen. Und doch kann ein „wir waren mal wer“ und „wir werden mal wer“ reflektierend die Ziele des FCK’s hintergründig beflügeln. Ich meine, der Klub ist organisatorisch gut aufgestellt, ist bemüht, es nicht mit der „Ostschweizer Fussballlinie“ Winterthur-Wil-St.Gallen bewenden zu lassen. Und auch ein Augenmerk rheinabwärts, nach Schaffhausen, wo eine 7’000er Multifunktions-(Lipo-) Arena im Werden ist, tut mal gut.

    Die Voraussetzungen, „wir werden mal wer“, wäre eine stabile Mannschaft über einen längeren Zeitraum hinweg. Eine mannschaftssportliche Binsenweisheit. Leider aber auch ein schieres Unterfangen, das besonders Amateurmannschaften arg strapaziert. Und doch kann dies der Schlüssel bedeuten, sowohl sportlich, als auch an Zuschauerinteresse zu gewinnen. Der Zuschauende/die Zuschauende möchte durchaus eine Mannschaft über einige Jahre begleiten und sich nicht jedes Jahr aufs Neue mühsam das Matchprogramm durchackern müssen – etwa so: „wer hät dänn’s gool gschosse? – „wa dä isch scho drissgi“, „wo här chunt dä?“, „dä hani no nie gsä“! (Wobei man selbstverständlich durchaus mal einen guten hinteren „Aufräumer“ oder einen sicheren vorderen „Abstauber“ neu zum bestehenden Ensemble „unbekannt“ dazu fügen kann. Und das stets gut gemachte FCK-Matchprogramm bietet sowieso noch weitere spannend lesbare Seiten).

    Im Mittelpunkt steht jedoch immer die gesamte Mannschaft (grosser Spruch). Sie sollte sich leistungswillig im gesetzten Klubziel widerspiegeln. Es können beim Auflaufen auch nicht alle Spieler die gleich hohe fussballerische Kompetenz aufweisen. Das kann sich kein Amateurklub leisten und ist auch nicht notwendig. Wichtig ist – neben einigen so genannten „Leistungsträgern“ – eine gemeinsame Kampfstärke durch Kameradschaft anzustreben. Selbst professionelle Klubs mit ausgewiesenen Trainern scheitern nicht selten im Verlauf einer Saison durch den letzteren Hinweis. Warum es ab und zu doch nicht so klappen will, wie vorausgesehen, ist im Fussball ein nicht seltenes Mysterium, dass alle möglichen „Schwätzer“ animiert, die damit hausieren gehen, sie wüssten, woran es exakt liegen würde. Fussball ist ein Stück komplizierter.

    So ist auch eine Trainerentlassung eben ein Teil dieses Sports. Man darf sich daran nicht zu lange aufhalten. Ist halt so. Es geht weiter.

    Und dies mit einem erfreulichen 3:1 gegen eine Mannschaft, deren Stärke, interpretiert man einen Spielbericht richtig (sport-fan.ch), eher mit „Schlungg“, Brienzer“, „Wiberhogge“ oder „Churz“ zu umschreiben wäre, also begrifflich mit dem CH-Sägemehlsport zu tun gehabt haben könnte. So schlimm war es wohl doch wieder nicht. Zudem werden heute die Spielfeldlinien auch nicht mehr mit Sägemehl ausgezeichnet! Wenn sich nun die FCK-Mannschaft also ausgerechnet gegen eine – sagen wir mal vorsichtig – „eher ruppige, unangenehmere Elf“ zu behaupten wusste, so kann davon ausgegangen werden, dass wiedermal die spielerische Qualität und gleichzeitig die kämpferische aufschien, was ja durchaus in der FCK-Mannschaft zu stecken scheint. Warum das bis anhin nicht so recht klappte: Fussball eben! Man schaut und staunt. Weltweit. Ist also kein per se FCK-Phänomen. Schon eher eine Aufforderung, mit allen Mitteln diesem Phänomen so gut es geht „die Grenze“ zu zeigen. Das kann man doch besonders gut auf Klein Venedig, obwohl da die Grenze „künstlerisch“ in Erscheinung tritt (Dörflinger)! Ist Fussball nicht auch eine Art „Kunst“?

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