Kreuzlinger Kiste – Fundstücke

Heute in der Post, ein alter FC Kreuzlingen – Wimpel der Senioren-Abteilung. Wahrscheinlich aus den 70er-Jahren.

Fundort: Fussball-Flohmarkt im FCZ-Museum.

Einsender: Marcel Tappeiner, vielen Dank!

wimpel-fcz-museum

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5 Antworten zu Kreuzlinger Kiste – Fundstücke

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Ein schönes Fundstück! Dank an den noblen Einsender Marcel Tappeiner! Der Wimpel beinhaltet selbstverständlich das Grün-Weiss als Klubfarben. Aber auch das historische Kreuzlinger Wappen ist hier anerkennenswert eingefügt. Dazu wäre (kulturell) festzuhalten, dass sich das dargestellte Kreuz von „cruzelin“ ableiten lässt. Umgangssprachlich „Chrüzli“ oder „Kreuzli“, später dann „Kreuzlingen“ genannt. Der Hintergrund: Anfangs des 12. Jahrhunderts entstand kurz nach der Grenze, zwischen unterer Hauptstrasse und See, das erste, heute längst verschwundene Augustinerstift „cruzelin“ als Konstanzer Gründung (eine genauere Erklärung zum Namen, wie auch über das Wappen-Rot-Weiss, würde hier zu weit führen). Die letzten Kreuzlinger Klosteraktivitäten in den heute noch bestehenden Bauten (mit Kirche St. Ulrich) hob der Kanton 1848 endgültig auf und bemächtigte sich des Besitztums. Heute sind die Gebäude von der kantonalen PMS (Pädagogische Maturitätsschule) belegt. Der Bischofsstab, als zweiter Wappengegenstand, verweist historisch noch immer auf die klösterliche Vergangenheit von „Kreuzlingen“ – alias „cruzelin“. Doch zurück zum Fussball: Just 1848 (!) verfasste die Universität Cambridge die ersten Fussballregeln. Der Thurgau lag noch tief im Fussballschlaf. Oder wurden vielleicht bereits damals von Thurgauer Kindern Äpfel (z.B. Blauacher oder Gravensteiner) zwischen zwei Bäumen hindurch getreten? Wie dem auch sei. Wer überhaupt zuerst einen ballähnlichen Gegenstand wo und wohin hämmerte, erschliesst sich historisch, wie es scheint, nicht genau. Manche sprechen vom China des 3. Jahrhunderts v. Chr. Das ist weit weg. Frauenfeld ist näher: Wie wärs mal mit einem „Hop cruzelin“? Hätte wahrscheinlich den notwendigen klösterlichen Segen im ewigen Derby gegen die Hauptstädter!

  2. Sehr Interessant, vielen Dank. 1848 scheint ein wahrlich denkwürdiges Jahr gewesen zu sein, der Umschwung vom Kreuz übers weltliche zum Ball, von Kreuzlingen nach Cambridge und zurück. So etwas schafft auch nur dieser Blog! Wenn wir schon in Cambridge sind, ist der Weg nach Oxford nicht weit. 1934 siegte der FC Kreuzlingen mit 7:2 gegen die englischen Profis vom Oxford City FC. 2’500 Zuschauer an der Konstanzerstrasse müssen fussballerisch berauscht gewesen sein. Ob mit kirchlichem Segen ist nicht überliefert. Norman Smith hatte ein solches erbarmen mit seinen Landsmannen, dass er im nächsten Spiel gleich selbst in die Hosen stieg und den Oxford City FC auf dem Rasen gegen Lustenau unterstützte. Interessant dürfte auch folgende Frage sein, wann kam das Stadtwappen ins Vereinsemblem? Mit meiner Nachforschung bin ich mittlerweile in den 40er-Jahren, da war es noch nicht zu finden, irgendwann in den 60er-Jahren werde ich wohl fündig. Die Kreuzlinger spielten in grauer Vorzeit allerdings öfters in Rot-Weiss, kombiniert mit grün-weissem Vereinslogo.

  3. Bruno Neidhart schreibt:

    2’500….! Es muss 1934 wiedermal ein sportlich regionales Ereignis an der Konstanzerstrasse gewesen sein – damals wohl über die Grenze hinweg animierend.
    1848 war tatsächlich ein „denkwürdiges Jahr“. Friedrich Hecker, fällt mir dazu noch ein, probte im selben Jahr mit einem Häuflein Aufrechter die Revolution in Baden („Heckerzug“). Startort war Konstanz (Wandbild am Stefansplatz). Hecker kam allerdings nur bis in den Raum Lörrach. Dann setzte er sich in die Schweiz ab. Die Ortschaft Kreuzlingen übernahm übrigens das rot-weisse Wappen direkt vom aufgehobenen Augustinerkloster. Die Trikotfarben Rot-Weiss trug mal ein Klub im Westend der Stadt, und die Farben fanden sich sogar im Klubnamen wieder. Wie Klubfarben ausgewählt werden, ist wahrscheinlich eine komplizierte Geschichte zwischen irgend welchen Traditionseinflüssen oder Zufällen oder Bedingungen. Oder es ist so „normal“, dass die AS Calcio Kreuzlingen im Döbeli selbstverständlich in einem schönen „Sehnsuchts“-Blau aufläuft und nicht in einem herbstlichen Bodensee-Nebelgrau!
    Vielleicht gibt es irgendwo eine „Geschichte der Klubfarben“. Gäbe es keine Klubfarben, würden echte Fans welche erfinden. Ohne Farben keine Fans. Ein Elixier!

  4. Hecker war übrigens enttäuscht von den Konstanzern, trotz seiner flammenden Rede auf dem Stefansplatz wollten die Konschtanzer nicht so recht in die Revolution ziehen. Der Legende nach begann es zu regnen und sie gingen lieber wieder in ihre warmen Stuben. Passt diese Mentalität nicht haargenau zur fehlenden Fussballeuphorie am Bodenseeufer? Zwar flammte ab und zu Begeisterung auf, doch zu einer Fussball-Hochburg entwickelte sich die Region am lieblichen Seeufer nie.

  5. Bruno Neidhart schreibt:

    „An diesem unfreundlichen Samstag…..“ – schreibt Schieber tatsächlich in seiner „Freiheits-Chronik“ (liegt bei mir im Regal) – , hätten sich nur „Circa 80 Mann Freiwillige….“ (Kolonne Sigl) von Konstanz aus aufgemacht. Hecker und Struve zogen bereits zwei Tage vorher mit einem Häufchen los. Konstanzer Frauen bezeichneten ihre Männer übrigens als „Hosenschlotterer“! Dieser Herr Schieber, ein Schweizer Lehrer aus Uhwiesen/Zürcher Weinland, lief damals mit der Truppe mit – sozusagen als „eingebetteter Reporter“ – und kam nach der Schlacht zusammen mit „Heimkehrenden“ über die Schweiz ausgerechnet in „Kreuzlingen“ an („….und so auch ich, der ich dieses daselbst schreibe“).
    Nun, ob die „Mentalität von Hosenschlotterern“ auch auf den regionalen Fussball in irgend einer Weise abfärbt, glaube ich eher nicht.
    Warum sich am, und um den See herum keine dauernde „Fussballeuphorie“ entwickeln konnte und kann, hat sicher viele Ursache. Tatsache ist alledings, dass, wenn mal erfolgreicher gespielt wurde (Ligazugehörigkeit), kamen „Leute in Scharen“. So in den 30er Jahren in Kreuzlingen, in den 50ern in Singen, und kurz in den 70ern in Konstanz (hier gleich zwei Mannschaften).
    Einiges mag auch damit zusammenhängen, dass früher grosse Industriebetriebe bestanden, die stets einen guten Nährboden für Fussballbegeisterung beinhalteten. Im Gegensatz zum Ruhrgebiert, wo diese Euphorie noch heute einigen Bestand hat, ist sie etwa in Singen, das ja noch immer ansehnliche Betriebe aufweist, rasch erloschen, als das spielerische Niveau sank.
    Und heute sind wiederum ganz andere Verhältnisse, die es nicht einfach machen, mehr „Euphorie“ für den Fussball zu entfachen, haben sich nebenbei doch auch andere Sportarten ebenso zu „Zuschaursportarten“ weiter entwickelt (Beispiel Hallenhandball). Aber es gilt eben auch bei „anderen Sportarten“, dass fast nur der Spitzensport die Leute in grösserer Zahl noch vom „heimischen Hocker“ (oder vom Handy!) zu reissen vermag.
    Und was „Hosenschlotterer“ betrifft, so kommen diese bei Regen sowieso nur auf den grünen Platz, wenn eine vernünftige Infrastruktur das Feld umgibt. In Singen stimmt sie allerdings, in Konstanz und Kreuzlingen nur sehr bedingt!
    Ich bleibe grundsätzlich dabei, dass in der Ligazugehörigkeit, die mit der Spielqualität konform gehen sollte, und so in der Regel auch mal bekannte Mannschaften in die heimische Arena spült (bei attraktiven Cup/Pokal-Spielen markant), wohl die einzige Chance besteht, in einer nicht historisch über lange Zeit etablierten „Fussballergegend“ wieder bessere Tage aufkommen zu lassen. Da nützen auch die besten Bratwürste nichts.
    Warum sieht dies alles im nahen Vorarlberischen denn deutlich „besser“ aus? Auch so eine Frage, der mal nachgegangen werden könnte. Und das „liebe Geld“? Ist vielleicht der heikelste Begriff zu diesen Thema! Dazu schweige ich nach der einzigen Feststellung: Ohne geht gar nichts. Wobei man auch so Fussball spielen kann – also „ziemlich ohne“. Das machen die weistaus meisten Vereine vor. Und wenn dann die Wurst noch schmeckt, der Fritz und der Werni und die Lisa auch wieder da sind, lebt es sich fussballerisch toll. Selbst bei einer Niederlage. Dann halt noch ein Bier. Fussball ist eine mehrschichtige Legende. Sie endet nie.

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