Der Ausrutscher im Gründenmoos

Es ist passiert. Nach sechs Pflichtspielsiegen in Folge verliert der FC Kreuzlingen mit 3:2 beim FC Winkeln St. Gallen. Damit dürften die Aufstiegshoffnungen begraben sein. Jammern? Überhaupt nicht! Ein grosses Kompliment an die Mannschaft! Nach der Vorrunde konnten die Zuschauer im Frühling 13 belanglose Spiele erwarten. Stattdessen begeisterte der FC Kreuzlingen mit einer Siegesserie in der Meisterschaft und qualifizierte sich für den Schweizer Cup. Nun genügt ein einziger Ausrutscher um aus dem Aufstiegsrennen zu fallen. Bitter – aber nur im ersten Moment.

Es war natürlich eine ziemliche Phantasterei, die da acht Spiele anhielt. Ausgerechnet in der am stärksten besetzten 2. Liga Interregional aller Zeiten setzte der FC Kreuzlingen zu einer Aufholjagd an – gegen drei absolute Topteams und bei neun Punkten Rückstand.

Es war ein verhexter Nachmittag. Da hat man von Anfang an mehr Spielanteile, scheint über die besseren Einzelspieler zu verfügen, legt dann einen Gang zu und erspielt sich eine Viertelstunde lang Chance um Chance, nur das Tor will nicht gelingen. Dann kurz vor der Pause ein Konter und es steht 1:0 für Winkeln. In der Pause holt man sich eine hervorragende St. Galler Bratwurst von der Metzgerei Schmid und denkt sich noch, kein Ding, dass drehen sie. Dann steht es etwas später durch zwei weitere Konter 3:0. Immerhin, auch hier zeigt die Mannschaft wieder Grösse, gibt nicht auf und kommt nochmal auf 3:2 heran.

Auf dem Nachhauseweg fuhr ich an erwartungsfrohen Menschen mit grün-weissen FCSG-Schals vorbei, die Partie gegen den FC Vaduz im kybunpark stand an. Ich war mit Sicherheit der einzige Mensch, der mit einem grün-weissen Schal stadtauswärts fuhr.

Gespielt wurde übrigens auf der Rückseite des Stadions Gründenmoos. Sozusagen im doppelten Schatten des grossen Fussballs.

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2 Antworten zu Der Ausrutscher im Gründenmoos

  1. Bruno Neidhart schreibt:

    Just heute Morgen las ich, dass eine Mannschaft die am Liga-Abgrund wandelt, stets für Spannung gut sei, derweil eine Mittelfeldmannschaft respektiert werde, ohne letztlich viel Beifall zu erzeugen. Und wie steht es mit einer ewig siegende Mannschaft? Resultat: Sie würde das Publikum langweilen!

    Dem Letzteren wäre allerdings beizufügen, dass es auch noch darauf ankommt, bei welcher Tabellensituation das Nicht-Siegen die angesprochene Langeweile durchbrechen darf. Nun, ausgerechnet im Gründenmoss, „im doppelten Schatten des grossen (grossen?) Fussballs“, wie geschrieben steht, fand der FCK-Vormarsch sein abruptes Ende. Musste das sein?

    Es folgt gleichsam eine ziemlich abgedroschene Tröstung: Kein Beinruch! Kann man so sehen nach einer tabellarischen Aufholjagt gegen eine Mauer von drei potenten Ligakonkurrenten, die tatsächlich die Meisterschaft nun ohne Kreuzlingen untereinander ausspielen werden.

    Und so konzentriert sich für den FCK alles wiedermal auf die kommende Saison, in der neu die Liga-Siegespalme zu vergeben ist, um vielleicht „classisch erstligatauglich“ zu werden. Da gehört der FCK mindestens hin! Nach heutigem Ermessen sind allerdings bereits im mittleren Amateurbereich gewaltige Anstrengungen besonders auch materieller Art notwendig, um höhere Ziele zu erreichen. Nicht jeder Club wagt sich an dieses Abenteuer. Und so wird es eben immer: Erstens spannende Mannschaften, zweitens solche ohne viel Beifall, und drittens sogar Langweiler geben (wenn die Eingangsbemerkung stimmen sollte). Man könnte sich also aussuchen, wohin die Reise zu gehen hat. Dabei wird allerdings vergessen, dass „Fussball an sich“, jedes Spiel, von Alten, Mittleren oder Jungen zelebriert, immer auch „ein Erlebnis an sich“ ist, stets ein Spiel mit Höhen und Tiefen, in jedem Match, mit und ohne Erfolg dargeboten. Das Spannende, Beifallslose oder Lanweilige muss nicht zwangsläufig mit der zu erlebenden Realität auf dem Platz überein stimmen. Fussball als Erlebnis erschliesst sich für Zuschauende ganz individuell. „Geschichten, die nur der Fussball schreibt“ klingt zwar etwas abgedroschen. Doch ein Quäntchen Wahrheit lugt da schon hervor. Und die ist immer spannend. Auch ohne den ewigen Blick auf die Tabelle.

  2. Bruno Neidhart schreibt:

    Nachspiel: „Der Ausrutscher im Gründenmoos“ bekommt Bedeutung, wenn man die Tabelle nach dem 21. Spieltag konsultiert. Durch den Sieg von Kosova bei Freienbach gibt es an der Spitze plötzlich ein Zusammenrücken. Mal angenommen, der FCK gewinnt das Nachtragsspiel in Sirnach, wovon man auszugehen hat (!), wären dies gerademal zwei Pünktchen, mit denen der FCK hinterm derzeitigen Tabellenführer liegen würde. Allerdings habe ich dabei subjektiv einen Sieg gegen Winkeln eingerechnet! Objektiv fand er nicht statt. Mein emotionales Verhalten ist entsprechend „postfaktisch“ zu deuten. Bringt leider keine Punkte.

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