Spannung auf dem Rasen, Einöde in der Sportplatzplanung

Was für ein dramatisches Spiel in Uzwil. Da führt man durch drei Tore von Neuzugang Andy Qerfozi mit 3:1 (was für ein Debüt!), vergibt etliche hochkarätige Chancen zum 4:1 und kassiert dann das 3:2. Das Geschehen auf dem Rasen wechselt von souverän zu wacklig, Uzwil verschiesst in der Schlussphase einen Elfmeter, der Uzwil-Torwart steht Zeitweise fast an der Mittellinie, die Bälle fliegen auf beiden Seiten fast im Minutentakt am Gehäuse vorbei. Der FCK rettet die Partie, über 90 Minuten gesehen verdient, über die Zeit.  Wie las man so schön in der Uzwil-Vorschau, „Spiele gegen Kreuzlingen waren in der Vergangenheit meist spannend“, kann man auch für diese Partie unterschreiben.

Im Vorfeld trennte sich der FC Uzwil übrigens von René Benz. Es gab wohl selten eine Saison in der 2. Liga Interregional mit so hohen Erwartungshaltungen bei so vielen Vereinen. Gleich ein halbes Dutzend Vereine sind mit teils hochkarätigen Spielern bestückt. Auch bei den Toggenburgern hiess es noch im letzten Sommer „in drei Jahren 1. Liga!“.

In Uzwil baut man sich derzeit eine praktische Fussballanlage. Bereits bestehen ein Hauptspielfeld aus Naturrasen, ein Kunststoffrasenplatz, ein modernes Clubhaus und ein Garderobengebäude. Ergänzend kommen ein weiterer Kunststoffrasenplatz und zwei Hybridrasenplätze dazu. Das ist alles praktisch zum Fussball spielen. Atmosphärisch geben die Pläne leider überhaupt nichts her. Das scheint der neue Zeitgeist zu sein. Früher baute sich jeder ambitionierte Dorfverein eine kleine überdachte Holztribüne. Darauf traf man sich, stand eng zusammen. Vergrösserte sich der Erfolg, baute man verschiedene Tribünen hinzu, dass gab den Plätzen Charakter. Heute baut man im Profi-Bereich immer gleiche viereckige „Arenen“, bei den Amateurvereinen fällt jeglicher interessante Ausbau dem Sparstift zum Opfer, wenn man den überhaupt noch soweit denkt. Fussball ist der nach wie vor der einzige Ort, wo sich alle Gesellschaftssichten einer Stadt treffen, wo jede Altersgruppe vertreten ist, wo Einheimische mit der ausländischen Bevölkerung gleichsam mitfiebern. Das schafft in diesem Ausmass nur der örtliche Fussballverein. Kein anderer Sportverein, kein Kulturverein, keine einmalige Veranstaltung, keine künstliche Institution hat diesen Einfluss. Kein Freizeitangebot integriert die (ausländischen) Jugendlichen einer Stadt so sehr in feste Strukturen mit Leistungs- und Teamgedanken, klaren Regeln und Fairplay. Ein FC Kosova gibt sich oft schweizerischer als jeder Schweizer.

Keiner erwartet für 300 Zuschauer ein Stadion. Aber jeder ambitionierte Verein müsste doch eine überdachte Tribüne für diese Zuschauer als Selbstverständlichkeit einplanen. Stattdessen muss man sich in Uzwil Plastikstühle für die älteren Zuschauer organisieren.

In Kreuzlingen will man 2026 im Seezelg neue Fussballplätze bauen. Es geht nicht nur um einen Sportstättenbau. Es wäre ein zentraler Ort Kreuzlinger Identität.

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In Erinnerung an Martha Rothacher-Kyburz 06.11.1923 – 16.09.2016

Viele Jahrzehnte war Martha „Möggi“ Rothacher treue Zuschauerin bei den Spielen des FC Kreuzlingen. Oft stand Sie mit Ihrer Schwester Gertrud „Mausi“ Bruggmann hinter dem Tor des Gegners und hielt einen Glücksbringer in der Hand. In der Halbzeitpause wurde dann die Seite gewechselt. Viele Spielergenerationen bekamen von Ihr nach dem Spiel eine Süssigkeit zugesteckt. Auch an Auswärtsspiele fuhr Sie gerne mit. Die Kreuzlinger spielten irgendwo in der Innerschweizer Prärie und plötzlich bog Möggi Rothacher um die Ecke, „Hopp FCK!“. Später fuhr Sie auch gerne mit dem Spielercar oder mit anderen treuen FCK’lern mit.

In der Stadt war Sie noch lange gut zu Fuss. Einmal nahm ich Sie im Auto mit, natürlich bekam ich als Lohn die obligaten Süssigkeiten zugesteckt. Sie erzählte mir von Ihrer Wochenendplanung. FC Kreuzlingen, SC Kreuzlingen, HSC Kreuzlingen. Fussball, Wasserball, Handball. So gut es ging wurden alle Spieltermine verbunden. Ein treuer Sportfan wie es sie heute nur noch selten gibt.

Möggi ging bereits mit ihrem Vater zum Fussball an die Konstanzerstrasse. Sie erlebte mit Ihren Geschwistern, dazu gehörten auch Max und Kurt Kyburz, über 80 Jahre Kreuzlinger Fussballgeschichte. Auf- und Abstiege, Meisterschaften und Turbulenzen. Dabei bewahrte Sie sich immer Ihre fröhliche Art und Zuversicht.

Im November 2013 feierten wir Ihren 90. Geburtstag beim Cup-Spiel gegen den SC Binningen. Ihre Spielbesuche wurden seltener. Das letzte halbe Jahr sahen wir Möggi Rothacher gar nicht mehr und schliesslich wurden unsere Befürchtungen traurige Gewissheit. Der FC Kreuzlingen wird Dich vermissen.

"Moeggi" Rothacher Fan FCK wird zum 90. Geburtstag geehrt. FC Kreuzlingen (Gruen) gegen SC Binningen BL, Schweizer Cup, 1. Vorrunde auf der Sportanlage Hafenfeld Kreuzlingen am Samstag 9. November 2013 (FOTO GACCIOLI KREUZLINGEN) *** Local Caption *** H3Q6147

„Moeggi“ Rothacher Fan FCK wird zum 90. Geburtstag geehrt. FC Kreuzlingen (Gruen) gegen SC Binningen BL, Schweizer Cup, 1. Vorrunde auf der Sportanlage Hafenfeld Kreuzlingen am Samstag 9. November 2013 (FOTO GACCIOLI KREUZLINGEN) *** Local Caption *** H3Q6147n

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Eine Nullnummer am Hafen

Die Hellblauen schrammten an der Sensation vorbei, die Grün-Weissen dümpeln gegen Sirnach zum 0:0. Kreuzlinger Fussball zum Herbstbeginn.
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Der Kreuzlinger Fussballfreund hatte am Samstag zeitgleich die Wahl zwischen zwei Fussballspielen. Sollte man ins Hafenareal zum 2. Liga Interregional Kantonsderby FC Kreuzlingen – FC Sirnach oder ins Döbeli zum Schweizer Cup 1/16-Final AS Calcio Kreuzlingen – FC Tuggen? 

Etwa 160 Zuschauer entschieden sich für die erste Variante, eine Zuschauerzahl bei Calcio ist auch am Montag noch nicht zu erfahren. Der Lokalkonkurrent aus Emmishofen kam zum ersten Mal unter die Letzten 32 des Schweizer Fussballs. Ein schöner Erfolg für den Verein aus dem Westend. Als FCK-Fan kann man das gelassen nehmen, immerhin gelang den 05ern dieser Erfolg schon 10 Mal. Edit: Bei Calcio waren es nur 200 Zuschauer, unglaublich wenig für die 1/16-Finalteilnahme eines 2.-Ligisten.

Die Hellblauen schieden gegen den Verein aus der Promotion League unglücklich nach Penaltyschiessen aus (6:7 n.E., 1:1 n.V) und verpassen damit ein Achtelfinale gegen den FC Basel. Die Grün-Weissen trennten sich in einem schwachen Spiel mit dem FC Sirnach 0:0 (Spielberichte, Video-Best-Of).

Zur Lage der Liga. Frauenfeld und Kosova spielten im Verfolgerduell 3:3. Rüti rückte mit einem 2:0 über Uzwil auf Rang 2 vor. Linth schlug den Tabellenleader Freienbach mit 4:0 (!). Damit sind auch alle derzeitigen Top-Teams der Liga genannt.

Was war eigentlich los im Hafenareal? Manchmal bleibt wenig hängen und man geht lieber nochmal einen Sirup holen.

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Canepas stürmische Erben

Jeder Spielbesuch sollte früher oder später ins Clubhaus führen. Idealerweise findet man dort einige Spuren der Vergangenheit, mitunter auch die eine oder andere Kuriosität. Mit etwas Glück finden sich mehr oder weniger gesprächsbereite alte Herren an verrauchten Tischen. Von alten Heldentaten wird in Schweizer Clubhäusern aber eher spärlich berichtet, meist erst nach dem ein oder anderen Kafi Schnaps. Der Schweizer neigt dazu, die Dinge nicht so wichtig zu nehmen. Heldengeschichten sind ihm verdächtig. Ganz anders als etwa in Italien oder Deutschland, wo jeder Derbysieg gegen das Nachbardorf bunt ausgeschmückt wird.

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Die NLB-Mannschaft vom FC Rüti, 1982/83. Die Originalwimpel aus dieser Zeit finden sich tatsächlich noch im Clubhaus, etwa von Nordstern Basel oder Mendrisiostar.

Beim FC Rüti könnten alte Herren einiges aus der Clubgeschichte berichten, von der Jugendzeit Ancillo Canepas etwa, wie er mit dem FC Rüti fast in die 1. Liga stürmte und bei den Grasshoppers ein Probetrainig machte. Auch die einjährige NLB-Episode könnte für Gesprächsstoff sorgen. Alles lange her, ausserdem viel zu heiss für Gespräche im Clubhaus, bis auf die kurze Bekanntschaft mit einem Exil-Kreuzlinger, der heute in Rüti lebt. Er kickt den Ball seiner 9-jährigen Tochter zu, dass Spiel gegen die alte Heimat ist dann doch nicht so wichtig.

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Wer hat an der Uhr gedreht.  Cillo Canepa ist auch heute noch beim FC Rüti präsent.

Dann gibt es noch einen Grund, warum man die alten Geschichten in der Schublade lassen kann. Der aktuelle FC Rüti spielt einen attraktiven und erfolgreichen Fussball. Immer wenn man glaubt den FC Rüti geknackt zu haben, kommt ein Pass der Nummer 10 auf die Syla-Brüder und es ist geschehen.

Da nützen auch die herrlichen Solos und Zuckerpässe von Uwe Beran nichts, die souveräne Art eines Kai Rettigs auf der Aussenbahn, die Ruhe eines Adnan Radoncics im Tor. Die gefühlt 70% Spielanteil, die Torchancen. Es ist zum Haare raufen. Der Sieg von Rüti ist nicht wirklich unverdient. Die offensive Qualität der Rütemer lässt sie jederzeit gefährlich bleiben. Das Tor in der 92. war dann aber doch bitter für den FC Kreuzlingen.

Ein Vorschulkind fragt nach dem Spiel seinen Vater wer der Gegner gewesen sei. Die sind nichts, antwortet dieser, gegen die haben wir schon 8:0 gewonnen. Ein FCK-Fan korrigiert auf 8:3, was es auch nicht viel besser macht. Manchmal sind die Schweizer doch nicht so bescheiden.

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Binsenweisheiten im Amateurfussball

Die ersten zwei Spieltage haben im Amateurfussball wenig Aussagekraft. Je tiefer die Liga, desto mehr stimmt diese Binsenweisheit. Ferien, kaum Testspiele, wenig Trainings, offenes Transferfenster, erst nach ein paar Spieltagen pendelt sich die wahre Stärke der Mannschaften ein. Das sich beim FCK nach zwei Startniederlagen Unruhe breit macht wie früher bei Schalke 04 ist auch nichts neues. Der 3:0-Sieg über einen schwachen FC St. Margrethen wirkte da beruhigend. Vlado Nogic könnte jetzt alles relativieren, aber als Fan neigt man selten zum relativen. Hier die besten Szenen:

Je tiefer die Liga, je niedriger das Leistungsniveau, desto höher die Resultate. Auch das kennt jeder im Amateurfussball. Zu reden gab an diesem Spieltag besonders der 6:1-Sieg vom FC Linth 04 über den heiss gehandelten Aufstiegskandidaten FC Frauenfeld. Bei Linth spielt in der Innenverteidigung mit dem 33-jährigen David Bystron ein tschechischer (Ex-?)Profi mit diversen Landesmeister-Titeln und Champions-League-Einsätzen gegen den FC Barcelona und AC Mailand. Will man den Weg des FC Weesen gehen? Der 2.-Liga-Verein vom Walensee hielt sich letzte Saison vier tschechische und einen slowakischen Ex-Profi, der ersehnte Aufstieg gelang auch damit nicht. Taugt das auch zur Binsenweisheit?

Vom Kreuzlinger Hafenareal ins Münsterlinger Hafenfeld. Auch unsere 2. Mannschaft bestimmte das Spielgeschehen eindrücklich. Endresultat 5:1 vor 100 Zuschauern. Eine schöne Abendatmosphäre beim 4.-Liga-Spiel am Bodenseeufer machte den Spieltag perfekt.

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Nächster Halt für die 1. Mannschaft, Schützenwiese Rüti. Heimat der Syla-Brüder. Unsere Liga hat wohl nie eine unberechenbarere Mannschaft als diese gesehen. Vlado Nogic wird es wissen.

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Tschüss All to nah und 5 Jahre BüdL

All to nah – Jedermann sein eigner Fussball! Schwerpunktthema der 26. Ausgabe: Dada! Sowas kann natürlich nur Jan schaffen und natürlich gibt’s auch diesmal viele kreative Perlen zu entdecken. Leider war es die letzte Ausgabe des für mich besten Fanzine Deutschlands. Aus dem Exil in Barcelona kommt von Jan nun das wöchentlich (!) erscheinende Mini-Zine „blau“, leider hab ich es noch nicht geschafft eines zusammenzubasteln. Jan, vielen Dank für deine fortwährende Inspiration.

Der „Blick über den Lahmannhügel“ feiert seine 10. Ausgabe. Das Gemeinschaftsprojekt einiger Arminia Hannover – Groundhopper kam in den vergangenen fünf Jahren auf 1’115 besuchter Spiele in 41 Ländern, alles verewigt im BüdL. Torsten von der Porteños-Sektion Hannover ist in der aktuellen Ausgabe unter anderem mit seiner „Tour de Suisse 2016“ vertreten, Höhepunkt: FC Uster vs. FC Kreuzlingen 4:2 vor 100 Zuschauern. Manchmal ist das Groundhopperleben nicht leicht. Trotzdem, danke für deinen Besuch! Du führst das Norddeutschland-Ranking besuchter FCK-Spiele jetzt vor Altona und Göttingen! =) um es mit einem deiner Mitschreiber zu sagen, Laboe ist fällig! =)

Edit: Das All-to-nah wird eventuell aus neuen Händen erscheinen.

Alltonah BüdL

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7 kleine Nadelstiche zum Saisonauftakt

2 Spiele, 2 Niederlagen, 2:7 Tore. So hat man sich den Start nicht gewünscht, ein wenig befürchtet allerdings schon. Die Vorbereitung verlief aus diversen Gründen nicht ideal, es gab zahlreiche Absenzen, verletzte Spieler. Doch wie sah es bei den anderen Vereinen aus? Sie klagen über genau das gleiche. Kosova absolvierte ganze zwei Testspiele aufgrund der vielen Absenzen, Freienbach trug zwar stolze acht Vorbereitungspartien aus, aber auch hier gaben Ferienabwesenheiten kurz vor Meisterschaftsstart zu reden. St. Margrethen spielte im ersten Meisterschaftsspiel offensichtlich mit einer B-Elf gegen Frauenfeld und verlor prompt mit 8:0. Es gäbe mit Sicherheit noch mehr Beispiele.

Kosova und Freienbach waren gute Mannschaften. Aber keinesfalls übermächtige. Im Trainertalk machte Vlado Nogic die Fehler in der Abwehr aus, logischerweise bei 7 Gegentoren in 2 Spielen, zweite Bälle werden zudem nicht gewonnen. Dann folgte die verblüffend ehrliche Antwort, es würde sicher auch mal besser gehen in der Vorrunde, aber im grossen und ganzen könne man in der Defensive wohl nicht viel mehr erwarten. Wie schwer wiegt hier der verletzungsbedingte Ausfall von Neuzugang Simoes Correira Ruben, von dem man sich so viel versprach? Nach grossen Fragen war es aber niemand mehr am Trainertalk, die Enttäuschung sass trotz der Vorzeichen tief. Vielleicht war es auch einfach unglücklich, mit den zwei stärksten Gegnern in die Saison zu starten.

Natürlich kann die Mannschaft mehr, natürlich kann sie noch gar nicht eingespielt sein. Natürlich wäre die Spielqualität im Amateurfussball viel besser ohne die exorbitanten Wechsel bei fast allen Vereinen. Durchschnittlich hat jede Mannschaft in der 2. Liga Interregional zwölf Spielerwechsel pro Spielzeit (!). Natürlich kämen auch mehr Zuschauer, wenn man sich die eigenen Spieler mal merken könnte. Gestern kamen übrigens (zweifach) handgezählte 170 Zuschauer, man muss mit 110 nicht auch noch untertreiben.

Am nächsten Sonntag ist wieder awayday. 16.00 an der Ringstrasse bei Chur 97. Mitfahrer können sich melden.

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